14 thoughts on “#141 Zurück aus der Krise

  1. wo ist Explicit Lyrics Warnhinweis? 😉
    Das du, Jay, Atheisten Recht gibst kann der Fundi ja noch verknusen, aber dass du es gut findestz, dass jemand nach Zweifeln oder Krisen Atheist wird.
    Hui, ich seh den Scheiterhaufen brennen.
    Geile Frage und Folge!

  2. In meiner gestrigen Abendandacht las ich noch von einem interessanten Punkt zu diesem Thema (aus John Piper: Schmeckt und Seht. 1. Aufl. 2015, CLV Verlag, S. 291 ff.):

    Unter der Überschrift „Die Souveränität Gottes: Eine kostbare und praktische Lehre“ heißt es dort:

    „Zu den größten Freuden von 20 Jahren Dienst in einer Gemeinde gehört es, dass man sehen kann, wie Menschen – gestützt auf die souveräne Güte Gottes – durch die dunkelsten Zeiten ihres Lebens gehen und nach dem Ende der Prüfung mit unerschütterlichem Glauben und vermehrter Freude ihren Weg mit dem Herrn fortsetzen. … Die Souveränität Gottes … verleiht dem Baum des Lebens die nötige Standfestigkeit …“

    Es geht also um den Umgang mit Krisen und darum, den Glauben nicht zu verlieren. Definiert wird diese Souveränität anhand einer Kaskade von Bibelzitaten:

    „Gott beherrscht letztlich die Welt, von den größten internationalen Spannungen und Konflikten bis zum Fall des kleinsten Vogels im Wald. Die Bibel drücket es so aus: »Ich [bin] Gott … und sonst ist keiner … Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun« (Jes 46, 9-10). »Nach seinem Willen tut er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?« (Dan 4, 32). »Werden nicht zwei Sperlinge für eine Münze verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater« (Mt 10, 29 RELB). »Doch er bleibt sich gleich, und wer kann seinen Sinn ändern? Was seine Seele begehrt, das tut er. Denn er wird vollenden, was über mich bestimmt ist« (Hi 23, 13-14)/ »Unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut er« (Ps 115, 3). »… der alles wirkt nach dem Rat seines Willens« (Eph 1, 11). »Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme« (Röm 9, 15). »Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun« (Jak 4, 15; Schlachter 2000).“

    Abschließend wird dann nach weiteren Ausführungen Georg Müller als Vorbild dargestellt, der nach vierzig Jahren Ehe seine Frau verlor:

    „Er erzählt, wie er betete, als er herausfand, dass sie an rheumatischem Fieber erkrankt war:

    Ja, mein Vater, die Zeiten meiner lieben Frau stehen in deiner Hand. Du wirst das Beste für sie tun und für mich, sei es Leben oder Tod. Wenn es sein kann, dann richte meine teure Frau wieder auf – du kannst es tun, obwohl sie so krank ist; aber wie auch immer du mit mir verfährst, hilf mir dabei, mich auch weiterhin deinem heiligen Willen völlig zu ergeben.

    Es war der Wille des Herrn, sie zu sich zu nehmen. Deshalb schrieb Georg Müller in großēm Vertrauen auf die souveräne Barmherzigkeit Gottes:

    Ich beuge mich, ich ergebe mich dem Willen meines himmlischen Vaters. Ich möchte ihn durch meine völlige Unterwerfung unter seinen heiligen Willen ehren. Ich küsse beständig die Hand, die mich geschlagen hat … Ohne sich jedoch dazu zwingen zu müssen, freut sich mein innerstes Herz an der Freude der geliebten Abgeschiedenen. Ihr Glück gibt mir Freude. Meine liebe Tochter und ich möchten sie nicht zurückhaben, selbst wenn das durch eine Handbewegung möglich wäre. Gott selbst hat es getan, wir sind zufrieden in Ihm.“

    Dann schließt Piper mit den Worten: „Darin zeigt sich die Kostbarkeit der Lehre von der Souveränität Gottes.“

    Sind Christen aufgefordert, sich ganz Gott auszuliefern, wie dieser Georg Müller es scheinbar getan hat? Ist dies die Lösung eines Christen für den Umgang mit Krisen, vielleicht sogar als Alternative zur Dekonstruktion?

    1. Als Alternative zur Dekonstruktion wohl kaum, denn Dekonstuktion meint ja nicht bloß den Zustand einer Krise, weil etwas leidvolles geschehen ist, sondern vielmehr, dass Lehr- und Glaubensüberzeugungen für jemand fragwürdig werden und derjenige mit den kognitiven Dissonanzen, die daraus resultieren, immer schlechter leben kann.

      LG,
      Der Jay

      PS Zur Problematik Neocalvinistischer Prädestinationslehren, die dem zugrunde liegen, was John Piper hier vertritt, sage ich an der Stelle mal nix… 😉

  3. Hananias und Saphira? Check Blickwinkel! Ich überschreibe die Geschichte mit „tötende Scham“!

    Fragen: tötet Gott? Steht da nicht! Tötet Jesus? Steht da nicht! Tötet Petrus? Steht da nicht!

    Exkurs Facebook: Groß-Kevin hat unfassbare Muskeln, er sieht blendend aus, sein Phallus führt zu puren Ekstasen. Alle Folgen ihm, alle Himmeln ihn an – er ist ein Star, zumindest fühlt er sich so. Nah bei Jesus? Er fühlt sich wie einer!

    Aber Papperlapapparazzi. Ein Bild. Kein Filter. Vom Herkules bleibt: halbes Hähnchen mit Würmchen …

    Der Schein als Sein. Mehr Schein als Sein. Kein Schein kein Sein? Will Kevin noch Sein?

    Scham bildet Metastasen, zerstört und tötet.

    Beispielhafte Andeutungen: Weggesperrte Geschichten wuchern in einem. Wenn äußerliche Identitäten bröckeln. Scham redet einem ein, dass man es nicht besser kann. Scham nimmt den Wert. Wenn Lügen das Ansehen rauben und den Status in Gemeinschaften? Nur eine Frage und Aufgabe: was könnte dies mit Hananias und Saphira zu tun haben?

    Könnte die Geschichte von einem Mörder namens Scham sprechen, von der Warnung vor der Gefahr durch sie. Will sie nicht viel mehr warnen vor der Furcht vor der Furcht. Aktuell zieht sich eine Spur der Zerstörung durch unsere immer größere werdende Schamkultur. Menschen werden zerstört auf Knopfdruck, welch Tempo.

    Eine Option von mehreren: Die beiden hätten auch von Anfang an vor Petrus und Gott treten können und transparent 50% geben können, weil „wir brauchen noch eine Backup-Lösung, wir sind nicht so frei alles zu geben“. Keine Furcht, kein Schein, keine Scham. Kein tot umfallen.

    Ausblick: Und wer nimmt die Scham, wer stellt den Wert unabhängig von allem wieder her? Er tut es noch am Kreuz mit einem Verbrecher, er schützt seine Mutter auch dort vor Scham, indem er ihr eine neue weltliche Familie gibt.

    Dir gebührt die Ehre? Vor allem aber gibt er uns am Kreuz die Ehre zurück. Uns gebührt die Ehre. Doppelpunkt. Was ein Gott.

    Könnten dies alles Hananias und Saphira uns verdeutlichen wollen? Und was hat Kirchengeschichte draus gemacht. Check out Blickwinkel.

  4. Fußnote: Die “Sünde” von Hananias und Saphira hatte damit zu tun, dass sie nicht bereit waren, 100% ihres Erlöses an die Gütergemeinschaft der Kommune zu geben.

    Ich fände es sehr interessant zu hören, wie die (ich sag jetzt mal) “Verteidiger” / “Sympathisanten” dieser Geschichte zur (von mir nicht vertretenen!) Idee einer vollständigen Abschaffung des Privateigentums stehen. Bestimmt alles eingefleischte KP-Kader und Alt-68er, diese Bibeltreuen.

    Belustigte Grüße

    1. Ich habe die Geschichte gerade extra nochmal 5mal gelesen. Wo steht das, dass sie alles hätten geben müssen?

      Deine Behauptung ist von dir in die Geschichte hineingelesen. Oder kirchengeschichtlich geprägt. Das steht da aber schlicht nicht.

      Da steht, dass sie offensichtlich behauptet haben, alles zu geben, dies aber nicht getan haben. Das Hauptthema ist also diese Lüge, nicht ihr Handeln an sich.

    2. Das, was du über die ‘Sünde’ schreibst, stimmt aber nicht. Lies mal Vers 4 von der Geschichte. Da sagt Petrus zu Hananias, er hätte den Acker auch behalten können und selbst nach dem Verkauf noch mit dem Geld machen können, was er wollte. Der eigentliche Fehler von ihnen bestand darin, dass sie gelogen haben.

    3. Ich sage: “hatte damit zu tun”.

      Es ist zunächst einmal so: Unmittelbar vorher lesen wir, dass ALLE, die Grundbesitz haben, den verkaufen. Da muss ein ganz schöner Gruppendruck herrschen.

      In Kap 5,3-4 wirft Petrus Hananias zwar vor, dass er lügt – aber Hananias hat bis dahin noch überhaupt nicht gesprochen. Und wenn er nichts sagt, kann er auch nicht lügen. Es geht also in Wahrheit gerade NICHT um Wahrhaftigkeit in Aussagen, was wir normalerweise mit “Lügen” verbinden.

      Ausdrücklich sagt Petrus dafür: Du hast etwas “entwendet” – von denjenigen Gütern, die nach bürgerlicher Auffassung eigentlich Hananias gehören. Wie soll das gehen? Wie kann ich etwas “entwenden”, was eh mir gehört? Doch nur dann, wenn alle übereinkommen, dass es in Wahrheit jemand anderem zusteht – nämlich den Aposteln.

      Ich lese also: Die Erwartung ist – unausgesprochen – da, dass Hananias alles abgibt und allein die Tatsache, dass er von seinem (!) Eigentum etwas für sich behält, zählt dann als “Lüge” – nämlich gegen eine (im Text) unausgesprochene Erwartung.

      Ich gebe zu, dass das im Widerspruch zu dem steht, was Petrus als nächstes sagt. Aber dass Petrus sich selbst widerspricht, ist erst mal sein Problem. Ich habe also als Leser erst mal Anlass, ihm eine der beiden widersprechenden Aussagen nicht zu glauben. Und in einer Gruppe, in der Abweichler mit dem Tod bestraft werden, herrscht nun mal ein gewisser Gruppendruck. Daher bin ich geneigt, ihm den zweiten Teil nicht zu glauben.

      1. Zur der Lüge: Klar kann man lügen, wenn man nichts sagt (zB wenn man nicht die ganze Wahrheit sagt, wie Hananias). Außerdem weiß man als Leser nicht, ob Hananias vorher schon gesprochen hat oder nicht. Es steht da nur, dass er mit dem Wissen seiner Frau vom Verkaufspreis etwas unterschlagen hat (V.2). Für mein Empfinden hat jemanden zu übervorteilen viel mit Wahrhaftigkeit (oder eben dem Gegenteil) zu tun…
        Petrus sagt nirgends, dass Hananias etwas entwendet hat (was eigentlich bereits der Kommune gehört hätte). Das griechische Wort nosphizomai bedeutet, dass jemand etwas (für sich) abtrennt, zurückhält.
        Petrus sagt auch nicht, dass die Lüge grundsätzlich darin besteht, dass Hananias&Saphira von ihrem Eigentum etwas für sich behalten – sondern dass die beiden so tun, als wäre es der Gesamterlös, obwohl es nur ein Teil ist. Er betont ja ausdrücklich, dass Hananias frei war, mit seinem Acker zu tun, was er wollte, als er noch in seinem Besitz war und dass er auch mit dem Verkaufspreis hätte machen können, was er wollte. Die Nachdrücklichkeit, mit der Petrus Hananias’ Freiheit im Umgang mit seinem Besitz betont, wird für mich in den Formulierungen im griechischen Text deutlich. Da wird das Verb, das verdeutlicht, dass der Acker dem Hananias zur Verfügung stand, zweimal verwendet. Und dann sagt Petrus auch noch, dass Hananias auch als der Acker schon verkauft war, noch über ihn (bzw dann über den Geldbetrag) “Verfügungsgewalt” hatte.
        Was auch nicht im Text steht, ist, dass die beiden bestraft werden. Weder wird ihnen eine Strafe angedroht, noch wird ihr Tod von den Gemeindemitgliedern oder vom Erzähler als Strafe interpretiert.
        Insofern ist es auch nicht so, dass Petrus sich widerspricht. Da kannst du ihm ruhig alles glauben 🙂

        Ich denke über die Geschichte momentan so:
        In der Gemeinde teilen die Mitglieder aus einer Herzensüberzeugung heraus freiwillig alles miteinander. Der Heilige Geist stiftet die Gemeinschaft. Das Teilen ist keine Vorschrift, sondern kommt als Bedürfnis von Herzen.
        H&S nehmen dieses freiwillige Teilen aber als Gesetz wahr. Sie werden gesetzlich – und Gesetzlichkeit führt zu Heuchelei. Denn man kann ja nicht zugeben, dass man vielleicht Schwierigkeiten damit hat, zu teilen (obwohl das, wenn man Petrus’ Worte ernstnimmt, auch gar kein Problem gewesen wäre, hätten sie nur ehrlich zugegeben, dass sie nicht alles teilen möchten). Ich denke, deshalb kann Petrus sagen, dass Hananias nicht Menschen belogen hat, sondern Gott (V 4). Interessant ist, welche Stelle im AT zu Vers 4 als Querverweis angeführt ist: Deut. 23,22-24 (bzw im Hebräischen 23, 21-23). Leider wird in der deutschen Übersetzung das Hebräische Wort “chta” nicht mit “Sünde/Verfehlung/Schuld” übersetzt, sondern mit “Strafe” – wohl weil Luther&Co nicht so in Tat-Folge-Zusammenhängen dachten, sondern im System der römischen Strafjustiz. Wenn man Sünde als Beziehungsstörung auffasst, ergibt sich die Übersetzung: “…und es wird deine Beziehung zu Gott stören”. In der Deuteronomiumstelle ist auch nicht das Problem, dass jemand nicht alles gibt, sondern dass er Gott etwas gelobt, aber nicht hält.
        Die Heuchelei zerstört die Beziehungen, deshalb ist ihr Verhalten auch ein Affront gegen den heiligen Geist.
        Und letztlich katapultieren sie sich selbst durch ihre Heuchelei aus der Gemeinschaft – vielleicht sind sie tatsächlich durch einen Schock zusammengebrochen, als ihnen gezeigt wurde, wie ihr Herz ist, vielleicht ist ihr Tod auch eine literarische Überspitzung, um deutlich zu machen, was es bedeutet, sich selbst von der Gemeinschaft (und dem Leben, das sie stiftet) abzuschneiden… (Den Aspekt der Scham, den Christian angesprochen hat, finde ich auch bedenkenswert)

        Soweit erstmal…

  5. Zum Abschnitt Bibelstellen, die euch verletzen, eurem Kommentar (etwa 35./36. Minute) dass in einer “idealen” Bibel alles perfekt zusammen passen müsste – genau das wird ja je nach Prägung in der Gemeinde vermittelt. Dass es keine Widersprüche gibt, das jedes Wort die Kraft hat zur Ermahnung , Lehre usw. (steht irgendwo in den Briefen so) Einer unserer Pastoren sagte mal “Man muss die Bibel nur lesen und weiß, dass sie wahr ist.” Kopfschüttel…
    Eure Vorträge, auch wenn ich bisher nur zwei gehört habe tun mir so gut… Danke!

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