„Pass auf, dass du nicht schwanger wirst!“ sagt sich leicht. Dabei machen viele die Erfahrung, dass das gar nicht selbstverständlich ist: Jedes sechste bis zehnte Paar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. In 30% der Fälle liegt es an der Frau, in weiteren 30% am Mann, in noch einmal 30% an beiden. Und beim Rest der Fälle? Ist es vollkommen unklar.

Was macht das mit den Betroffenen? Wie groß ist der Schmerz, wenn man einfach nicht schwanger wird? Und wie fühlt es sich an, wenn man ein Kind, das noch nicht geboren wurde, wieder verliert? Anna hat diese Erfahrungen selbst gemacht. In ihrem neuen Buch ‚Wir – mit oder ohne Wunschkind‘ erzählt sie ihre Geschichte und die anderer Paare. Bei Hossa Talk lässt sie uns die Trauer und den Schmerz ein wenig mitempfinden.

Annas Buch könnt Ihr hier bestellen:

Dieses Netzwerk empfiehlt Anna in unserem Talk mehrfach:

https://www.hope-kinderwunschzeit.com/

22 thoughts on “#163 Wenn sich der Wunsch nach Kindern nicht erfüllt

  1. Ich fand es sehr cool, dass ihr euch an dieses Thema gewagt habt, vielen Dank! Ich bin auch der Meinung, dass das Thema Kinderlosigkeit oder Kinderfreiheit in den Gemeinden zu wenig oder falsch thematisiert wird. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie krass es ist, wenn man mit der Vorstellung aufwächst, dass man einmal Kinder haben wird und dies dann nicht möglich ist. Ich finde es natürlich auch wichtig, dass es Stellen und Gruppen gibt, an die man sich wenden kann (ein weiterer Tipp: http://www.kinderfreilos.ch). Ich denke aber, dass man sich noch viel grundsätzlichere Fragen stellen sollte. Im Talk wurde teilweise davon gesprochen, dass der Kinderwunsch oder das Umsorgen “in den Frauen drin ist”. Ich finde solche biologischen Erklärungsansätze enorm problematisch. Ist es nicht vielmehr so, dass auch der Kinderwunsch sehr stark sozialisiert ist? Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es – so viel ich weiss – keinen Fortpflanzungs-, sondern nur einen Sexualtrieb. Es ist also durchaus denkbar, dass viel weniger Personen einen Kinderwunsch verspüren würden, wenn wir in einer Gesellschaft lebten, in der nur die Hälfte oder eine Minderheit Kinder hätte. Ich selbst habe das so erlebt. Irgendwie war es immer klar, dass “man” Kinder hat und in unserer Gemeinde wurde sowieso so getan, als sei dies fast eine christliche Pflicht (ich lese allerdings in der Bibel auch ganz andere Dinge dazu). Wäre ich nicht in einer Gesellschaft sozialisiert worden, in der Kinder als das grosse Lebensglück proklamiert werden, hätte ich mir 2-3 richtig miese Jahre sparen können. Erst später habe ich gemerkt, dass mein Kinderwunsch gar nicht wirklich meiner ist, sondern primär sozialisiert. Kann es sein, dass viele Personen nur so leiden aufgrund gesellschaftlicher Vorstellungen? Das klingt jetzt sicher krass. Ich glaube auch, dass es Menschen mit einem ganz klaren und starken Kinderwunsch gibt. Aber ich glaube eben auch, dass ein beträchtlicher Teil der Menschen sich eigentlich beide Lebenswege vorstellen könnte – wenn nur das gesellschaftliche Narrativ nicht so klar wäre. Ich wollte das einfach noch ergänzen – weil das für mich von meiner eigenen Story her echt mind-blowing war diese Erkenntnis. Ich würde mir wünschen, dass man deshalb auch mehr über Kinderfreiheit (gewollt keine Kinder haben) spricht – denn das ist in der Gesellschaft und vor allem in der christlichen Bubble das wahre Tabu.

    1. Liebe Debi,
      vielen Dank. Krass, von Kinderfrei höre ich tatsächlich zum ersten Mal. Voll interessant und wichtig! Auch deine Gedanken zur gesellschaftlichen Sozialisation des Kinderwunsches. Ist auf jeden fall eine wichtige Anregung, seinen Kinderwunsch dahingehend mal zu beleuchten.
      Zum Fortpflanzungstrieb habe ich höchstens hinzuzufügen, dass hormonell bei der Frau (bzw. bei vielen Frauen) ja während ihren “fruchtbaren Tagen” etwas passiert, dass sie mehr Lust auf Sex/Nähe verspüren lässt…oder gibt es dazu auch keine valide Forschung???
      Liebe Grüße in die Schweiz

  2. Danke für Eure Folge über den unerfüllten Kinderwunsch. Leider bin ich selbst davon betroffen. Ich würde eigentlich gerne mehr darüber reden, aber da ich bei der katholischen Kirche arbeite und diese ein großes Problem mit künstlicher Befruchtung hat, kann ich das leider nicht so tun, wie ich gerne möchte. Da Ihr aber nichts mit katholischer Kirche zu tun habt und ich hier meinen Namen nicht preisgeben muss, kann ich Euch darüber berichten.
    Gleichzeitig bin ich aber auch Familienseelsorger und möchte als solcher jederzeit für dieses Thema ansprechbar sein. Wer das also hier liest und aus dem Raum München kommt, der könnte sich an Euch wenden und Ihr dürft meine E-Mail gerne weitergeben.
    Jetzt zu meiner Geschichte:
    Ich habe irgendwann so die Berufung gespürt, ein geistliches Leben zu führen. Gleichzeitig war ich aber immer schon davon überzeugt, dass ich Familie haben möchte und dass auch das eine Berufung ist.
    Da ich selber Einzelkind bin und immer darunter gelitten habe, wollte ich auch mindestens zwei Kinder haben.
    Ich habe also auch eine liebe Frau gefunden und geheiratet und dann auf Kinder gewartet. Es war so selbstverständlich, man heiratet und dann kriegt man Kinder. Nur leider – es kam nix. Also haben wir angefangen, uns untersuchen zu lassen.
    Bei meiner Frau schien alles in Ordnung, also ging ich zum Urologen.
    Und, ihr lieben, das ist ein verdammtes Männerthema. Denn die Diagnose war niederschmetternd: ich habe so wenig Spermien aufzubieten und die sind so kaputt, dass eher jemand von einem Schluck Wasser besoffen wird als eine Frau von mir schwanger werden könnte.
    Ich hab zwar nie das von mir so genannte Termomix – Gottesbild (ich tue etwas oben rein und Gott spuckt etwas Gutes für mich aus) gehabt, aber dennoch fing ich einige Zeit lang an zu hadern. Hey, Gott, du hast mich doch dazu berufen, Familie zu haben. Jetzt geht das nicht, was soll denn das?
    Mir hat sehr geholfen, dass ich eine klare Diagnose und eine plausible Ursache (ich hatte als Kind Mumps und das ist eine häufige Ursache für die Unfruchtbarkeit von Männern, weil der Körper bei dieser Krankheit sehr heiß werden kann und diese oft auftritt, bevor die Hoden wandern. Das stoppt dann das Wachstum des Hoden). Genauer kann das ein Urologe erklären.
    Ich wusste also, was los war und wir begannen, eine Lösung zu suchen. Wir wollten auf jeden Fall beide die Eltern unserer Kinder sein, also kam nur eine künstliche Befruchtung in Frage.
    Dass die katholische Kirche damit ein Problem hat, war mir dabei zweitrangig. Denn erstens ist es ja im Grunde genommen medizinisch gesehen so, dass ein Arzt einem hilft, einen natürlichen Vorgang zu vollenden, der auf andrem Wege unmöglich wäre. Das Argument, dass damit befruchtete Eizellen vernichtet werden, ist leicht zu entkräften. Denn wir haben alle, die nicht innerhalb der ersten drei Tage eingegangen sind, auch einsetzen lassen (einige davon, nachdem sie eingefroren waren) und – was viele nicht wissen – auch bei einer natürlichen Befruchtung nisten sich nicht alle Eizellen ein, knapp die Hälfte geht auch hier ab.
    Aber das passt halt nicht in das männlich geprägt Bild, das katholische Kirchenfuzzis von der ganzen Sache haben, denn bei denen ist ja befruchtet gleich lebensfähig. Dass aber der weibliche Körper da die Hauptrolle spielt, das haben die nicht auf dem Schirm. Denn lebensfähig sind nur diejenigen, die sich auch einnisten können.
    Ok, ich hör schon wieder auf, aber da kann ich mich einfach über meine Kirche nur wundern (und auch ärgern), wie ignorant die mit wissenschaftlichen Erkenntnissen umgeht.
    Nun, kurz und gut, wir haben uns in die Mühlen einer Kinderwunschklinik begeben. Leider wird hier hauptsächlich die Frau behandelt. Wir Männer sind da nur die Lieferanten gewisser Flüssigkeiten, auf uns wird kaum eingegangen. Das war schon hart.
    Und das, wie so etwas zu Stande kommt ist auch nicht nur für die Frau belastend.
    Wir haben uns durch zwei Kinderwunschbehandlungen mit insgesamt 6 IXIs, also in Vitro Fertilisation, nebst einigen Versuchen aus der Konserve, gequält. Die erste Behandlung war nach dem dritten Versuch erfolgreich. Die zweite leider nicht mehr, da haben wir dann nach dem dritten Mal aufgegeben. Erstens zahlt die Krankenkasse nur drei Versuche und dann war für uns auch irgendwann klar: das war es jetzt, wir können nicht mehr.
    Bei unserem Erfolgreichen Versuch war es sogar zunächst eine Zwillingsschwangerschaft. Leider ist ein Kind in der 9. Woche abgegangen und unsere Tochter ist als Frühgeburt zur Welt gekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.
    Heute ist unsere Tochter ein munteres 9jähriges Mädchen, das leidenschaftlich Fußball spielt und einfach ein tolles Kind ist.
    Uns beide, meine Frau und mich, hat diese ganze Zeit so sehr aneinander geschweißt, auch wenn es immer wieder schwierig war, aber wir haben immer das Gefühl gehabt, das macht uns nur stärker. Es waren Höhen und Tiefen, die wir durchgemacht haben, manchmal waren wir schon am Rande der Verzweiflung. Aber wir haben uns an unseren Trauspruch geklammert: Zwei sind besser als einer allein und eine dreifache Schnur wird nicht so schnell zerrissen (Kohelet 4).
    Mit diesem Gedanken haben wir es immer wieder einen Schritt weiter geschafft. Hätte uns allerdings jemand am Anfang gesagt, was alles auf uns zu kommt, dann hätten wir das nicht angefangen. Es ist sicher nicht so schlecht, nicht in die Zukunft schauen zu können.
    So weit meine Geschichte in Kurzform.
    Es tut mir einfach gut, sie immer wieder zu erzählen und vielleicht hilft es ja auch anderen, selber nicht den Mut zu verlieren.
    Die ganze Geschichte hat mich selber nicht weniger männlich gemacht, im Gegenteil, ich habe heute eine völlig andere Sicht auf Männlichkeit (ansatzweise hatte ich die schon vorher, aber sie hat sich verfestigt). Ich bin heute davon überzeugt, dass Vater sein und damit Männlichkeit nicht mit der Zeugung aufhört, sondern dann erst anfängt. Ich war mit meiner Tochter über 2 Jahre in Elternzeit und zwar mit Haushalt und allem drum und dran. Vater sein heißt auch da sein für die Kinder. Wir hängen wesentlich noch immer einem Rollenbild aus dem 19. Jahrhundert an. Das muss endlich überwunden werden. Meine Frau und ich sehen uns in all dem als Team und das hat uns bis heute getragen.
    Herzliche Grüße an die Hossa – Comunity
    Michael

    1. Wow Michael,
      tausend Dank für deine offene, bewegende Geschichte. Ja, mir ist nach dem Talk auch aufgefallen, dass wir über das leidvolle Thema Kinderwunschbehandlung mit allem was dazugehört, gar nicht eigegangen sind. Um so besser, dass du es hier so plastisch beschreibst…besonders auch aus deiner männlichen Perspektive! Danke! Und ja, mit der Vater-/Männerrolle hast du auch vollkommen recht. Es ist so wertvoll, dass heutzutage immer mehr Väter eine liebevolle Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen wollen und es ihnen auch gelingt. Und dass sie sich die Verantwortung für die Kinder, mit allem was dazugehört, mit ihrer Partnerin zu teilen.
      Wie schön, dass es eure Tochter gibt! Und so wertvoll, dass du dich als Mann dem Thema sogar als Seelsorger widmest. Ich hoffe, sie rennen dir jetzt die Bude ein 🙂
      Ganz liebe Grüße, Anna

  3. Super wichtig, dass ihr dieses Thema ansprecht. Interessanterweise sind hier im Vergleich zu anderen Themen ” Normalos” ebenso unaufgeklärt wie die Christenheit.
    Wir haben diese Sprachlosigkeit erlebt als wir unser 1. Kind in der 12. Woche verloren haben.
    Wir sind zwar nicht unfruchtbar und mittlerweile wieder schwanger aber können Vieles nun besser nachvollziehen. Von unseren besten Freunden sind gleich drei Paare in unterschiedlicher Weise betroffen, mehrere Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit. Man sollte wirklich sehr sensibel mit dem Thema umgehen um den Schmerz nicht noch zu verschlimmern
    Wie sehr das diese Freundschaften trotzdem belastet ist krass. Es ging etwas kaputt da wir uns ins deren Lage hineinversetzen können und wir voll verstehen wenn die Betroffenen keinen oder weniger Kontakt zu uns suchen. Es tut einfach extrem weh das ganze Thema.
    Inwieweit der Kinderwunsch aber sozialisiert wird oder wirklich ein tief angelegter Wunsch ist eine spannende Frage über die es sich für den Einzelnen nachzudenken lohnt.
    Kann im Hinblick auf einige wissenschaftliche Aspekte und gerade männliche Unfruchtbarkeit folgende Podcast Episode wärmstens empfehlen.

    https://www.lvstprinzip.de/lvstprinzip-podcast-14-fruchtbar/

  4. So wichtig, dass es Menschen wie Anna gibt, die das Thema öffentlicher machen, vor allem im christlichen Setting!
    Auch der ganze Themenkomplex der Mutterschaft, den ihr ja angerissen habt, ist vor allem in frommen Kreisen noch sehr unterbelichtet. Da ist es selbstverständlich, dass verheiratete Frauen auch Mütter werden (wollen!) und dass sie dann auch glücklich sind – denn für Frauen gibt es ja nichts Erfüllenderes und Wesenseigeneres, als Mutter zu sein…
    Debis Anfragen finde ich total wichtig und berechtigt!

    Ein bisschen schade fand ich, dass auch Annas Geschichte eine von den “Was lange währt, wird endlich gut”-Storys ist, so wie ich sie aus meinem Umfeld kenne: Man hat ein paar Jahre eine Durststrecke und am Ende bekommt man dann doch, was man sich immer gewünscht hat. Bei Anna sogar zwei Kinder. Und dann kann man auf ihrer Homepage lesen, dass sie die dankbare Mama ist, die ihr Leben genießt. Und wir loben alle den Gott, der so gut ist und Wunder tut (so wird das in meinem Freundeskreis gemacht).
    Aber was ist mit denen, bei denen es nicht gut wurde? Die irgendwie damit leben müssen, dass dieser unerfüllte Wunsch unerfüllt bleibt? So ein Talk wäre toll! Das Gedicht von Christina Brudereck hat mich sehr berührt.

    1. Hi Katja,
      Ich geb dir total recht. Bin auch kein Fan von „am Ende macht Gott alles gut Storys“ So ist das Leben eben nicht immer. Ich fürchte, dass ich nicht so locker drüber reden könnte, wenn ich keine Kinder bekommen hätte. Aber es gibt Menschen, wie die erwähnte Magali oder auch mehrere Paare/Frauen in meinem Buch, die das tun und vor denen ich großen Respekt habe.

    2. Meine Erfahrung ist die, dass diejenigen, die im Kinderwunsch stecken, oft nicht davon reden wollen. Frauen / Paare zu finden, bei denen es eben nicht gut wurde und die damit leben müssen, erzählen nicht unbedingt gerne davon. Dazu braucht es eine Menge Mut, eine gewisse innere Heilung / Annehmen der Situation und die Fähigkeit, die richtigen Worte zu finden. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht allen Betroffenen gut gelingt. Auf der anderen Seite gibt es Paare, die wirklich Wunder erlebt haben in diesem Bereich und natürlich super happy sind. Sollten sie nicht auch davon reden dürfen und es nur für sich behalten müssen? Ich kann mir vorstellen, dass auch ihre Geschichten anderen Betroffenen Mut machen könnten. Ich glaube die Schwierigkeit ist, beides nebeneinander gleichberechtigt stehen zu lassen: (Wunder-) oder Erfolgsgeschichten sowie diejenigen, die nicht gut ausgegangen sind, ohne das eine oder andere geistlich höher zu bewerten. “Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden”…. beides zu vereinen ist wohl eine große Kunst. Und ja, Gott ist ein Gott, der Wunder tut. Diesen Gott zu loben fällt uns nicht schwer. Gleichzeitig lässt dieser Gott Leid zu, ist schwer zu ergründen, der Lobpreis stirbt auf den Lippen und der Glaube an ihn kann fast unerträglich werden. Ein Spannungsfeld, das es wohl oder übel auszuhalten gilt aus meiner Sicht.

      1. …ja, und dann gibt es die vielen Beispiele dazwischen. Bei uns war es ja auch so, dass wir auf jeden Fall mehrere Kinder wollten und uns letztendlich damit abfinden mussten, nur ein Kind zu haben.
        Das war ein herber Schlag, vor allem für mich, der ja immer an seinem Einzelkind – Dasein gelitten hat. Noch heute tut es mir weh, wenn mir meine Tochter sagt: warum habe ich kein Geschwisterkind, jetzt muss ich immer allein sein im Lockdown.
        Darüber zu reden braucht Zeit, viele schaffen es gar nicht, finden nicht die Kraft dazu. Mir persönlich tut es, seit ich mich dazu überwunden habe, sehr gut, denn was ich ausgesprochen hab, das kann ich auch bearbeiten. Jedes Mal, wenn ich meine Geschichte erzähle, dann komme ich mit meiner Aufarbeitung ein Stück weiter.
        Natürlich ist es leichter, wenn man dazu einen geschützten Rahmen hat. In aller Öffentlichkeit ist man immer der Gefahr ausgeliefert, falsch und gar nicht verstanden zu werden.

        1. Ja, natürlich gibt es noch viele Beispiele dazwischen.
          Ich sehe das auch so, dass man sich mit dem öffentlich gehen seiner eigenen Geschichte immer verletzlich und angreifbar macht. Da muss man einfach abwägen, ob man das möchte. Das ist halt bei einer happy end Geschichte deutlich einfacher, als wenn man noch mitten drin steckt und der eigene Schmerz auch noch nicht überwunden ist.

      2. Hallo Luisa,
        ich glaube, da hast du mich falsch verstanden. Mir ging es nicht darum, Leuten den Mund zu verbieten. Mein Wunsch ist eher der, dass andere öfter ihren Mund aufmachen. Mir ist klar, dass das Überwindung kostet – vor allem, wenn man in einer Community aufwächst, in der immer nur Menschen “Zeugnis geben”, deren Wünsche in Erfüllung gingen.
        Solche “Wunder”-Geschichten sollen zwar der Ermutigung dienen, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für Menschen mit sehr lange sehr vielen nicht erfüllten Wünschen kaum etwas Entmutigenderes gibt, als immer nur solche Geschichten hören zu müssen. Ich habe erlebt, dass das “Freut euch mit denen, die sich freuen” sehr groß geschrieben wird (ich wurde nicht selten gerügt, wenn ich es nicht konnte), aber mit dem Mit-Weinen sah es eher mau aus. Da war schnell eine Toleranzgrenze erreicht und man wollte nichts mehr vom Leid hören (“jammer’ nicht so rum”, “spiel dich mit deinem Leid nicht in den Vordergrund”, “das hier ist doch kein Wettbewerb, wem es am schlechtesten geht”, “ich habe auch noch andere Punkte auf meiner Fürbittenliste, ich kann nicht immer nur für dich beten” – das war so das Feedback, das ich bekommen habe).

        Als ich mich nach meiner Fehlgeburt getraut habe, darüber zu sprechen, habe ich in kurzer Zeit von fünf Freundinnen und Verwandten erfahren, dass sie das auch schon erlebt haben. Das hätte ich nie erfahren, hätte ich mich nicht herausgetraut. Und das hat so viel Verbundenheit geschenkt und Trost und Ermutigung, dass ich nicht irgendwie “falsch” bin, sondern dass das einfach jeder Frau passieren kann und dass das überhaupt nichts Ungewöhnliches ist. Meine Frauenärztin meinte damals: “Jeder Frau stehen zwei Fehlgeburten zu, das ist absolut normal”. Und ein nicht unbeträchtlicher Anteil an befruchteten Eizellen nistet sich erst gar nicht ein.

        Ich meine auch, dass es eine Revision des Wunder-Begriffs braucht. Gemeinhin gilt nämlich immer nur das als Wunder, wo es so läuft, wie ICH mir das für mein Leben vorgestellt habe. Gott als Lebensplanerfüller. Und das kann es meiner Meinung nach nicht sein.

        @Michael: Ich fühle mit dir. Die vergangenen Lockdown-Monate waren für mich oft die Hölle.

        1. Oh krass, das tut mir wirklich sehr leid, was du dir anhören musstest. Das ist unglaublich!
          Nur zur Info: Ich selber war viele Jahre ungewollt kinderlos und hatte tatsächlich das Glück, dass ich vor dummen Kommentaren weitgehend verschont geblieben bin.

          Ich kenne auch das “Zeugnis geben”, das manchmal fast irgendwie zwanghaft und aus den Fingern gesogen erscheint (Habe auch so Sachen gehört wie: Die Ärztin meinte, es könnte bei uns schwierig werden, aber dann hat’s doch sofort geklappt. Und das wird dann als großes Eingreifen Gottes beschrieben.) Dennoch bin ich von wirklich krassen und ehrlichen Geschichten/Zeugnissen auch tief bewegt, denn gerade wenn sie ehrlich sind, geht dem “Wunder” oft ein schmerzhafter und schwieriger Weg voraus. Da fällt es mir dann auch deutlich leichter, mich mitzufreuen als bei so möchte-gern-Zeugnissen.
          Allerdings kenne ich auch so “Heul-Gemeinden”, wo man das Gefühl hat, die erleben nie was Cooles mit Gott, alles ist immer irgendwie schwer und leidvoll. Wenn man in solchen Gemeinschaften was “Wunder-volles” begeistert erzählt oder auch vielleicht einfach nur etwas, wo man Erfolg hat, dann erscheint man gleich als stolz und arrogant (was würde man sich einbilden, dass man tolle Erfahrungen (mit Gott) hat, die andere nicht haben, als wäre man etwas Besseres…).

          Vielleicht ist grundsätzlich die Frage, wie “öffentlich” man mit intimen Themen wie Fehlgeburt, Kinderlosigkeit etc. überhaupt gehen kann (oder möchte), denn damit macht man sich immer verletzbar und wahrscheinlich bleiben die Verletzungen auch nicht aus.
          Leider menschelt es überall….

          Und sorry, ich wollte dich nicht falsch verstehen. Beim Schreiben kann man ja nicht nachfragen wie in einem Gespräch.
          Übrigens, was deinen Gedanken zur Revision des Wunder-Begriffs angeht, da bin ich komplett bei dir.
          LG

          1. Hallo Luisa,
            vielleicht kommt es bei den Gemeinden auch auf ihre Richtung an, wie das Thema Leid, Wunder, Gebetserhörungen bewertet wird. Meine frühere Gemeinde war durch ihre erweckliche Prägung mit dem Ausgangspunkt einer Dämonenaustreibung stark auf solche Gebetserhörungsgeschichten fixiert.
            Bei mir lief die Sache mit dem Kinderkriegen genau andersherum als bei den Am-Ende-wird-es-doch-gut-Geschichten. Ich bin ungeplant und medizinisch nicht erwartbar in die Mutterrolle hineingestolpert, mitten in einer körperlich-geistlich-beruflichen Krisen- und Umbruchphase. Ich hatte damals keinen Wunsch nach einem Kind und zu dem Zeitpunkt war für mich der Gedanke auch okay, dass ich wegen körperlicher Einschränkungen eher nicht damit rechnen kann, mal Kinder zu haben. Die Schwangerschaft hat alles auf den Kopf gestellt. Erst war ich sehr hoffnungsvoll, dass mein Körper ja doch noch was “kann” und dass nach so vielen Jahren körperlichem Leid ohne Wundererlebnisse und Gebetserhörungen jetzt endlich mal was gut werden würde. Dann folgten aber durch die Schwangerschaft ein paar fatale Lebensentscheidungen, die mich bis heute jeden Tag über meine Grenzen bringen. Ich musste auch feststellen, dass Kinder haben nicht das ist, was ich zuvor von den jungen Familien um mich herum so wahrgenommen hatte. Dass ich nicht die geborene Mutter bin und in dieser Rolle eben nicht aufgehe, wie die Mamas um mich herum. Da unser Kind ein Gemeinschaftstyp ist und andere Kinder um sich braucht, war uns klar, dass wir noch ein Geschwister bekommen wollen – leider musste ich auch hier erleben, dass das Leben absolut nicht planbar ist und ich dem “Schicksal” ausgeliefert bin. Es ist für mich schrecklich, dieses Einzelkind in seiner Einsamkeit zu sehen, besonders momentan. Und es fordert mich als Mutter noch mehr, weil ja kein anderes Kind als Ansprechpartner da ist.
            Natürlich bin ich als Einzelkindmutter auch allen Vorurteilen ausgesetzt, die man so gemeinhin Einzelkindern und ihren Eltern gegenüber hat. Das schmerzt. Ebenso auch der Anblick der Familien um mich herum, die mittlerweile die dritten und vierten Kinder in die Welt gesetzt haben, als wäre das ein Spaziergang und eben das Normale (selbst die, bei denen es immer hieß, dass sie wahrscheinlich keine Kinder bekommen werden, haben jetzt mindestens zwei). Denn mit einem Kind ist man ja irgendwie keine “richtige” Familie… :'(

        2. Liebe Katja,
          (diese Antwort bezieht sich auf deinen letzten Kommentar, aber da gab es keine “Antworten”-Möglichkeit mehr, deshalb steht dieser Kommentar jetzt eigentlich an der falschen Stelle…)

          Obwohl du in der Mutterrolle nicht wirklich aufgehst, höre ich aus deinen Worten doch heraus, dass du dein Kind sehr liebst und dir sogar ein Geschwisterkind für dein Kind wünschst. Du stellst deine eigene Befindlichkeit hinter dem Wunsch deines Kindes an. Das finde ich total bewundernswert und es tut mir von Herzen leid, dass es nicht klappt.
          Das mit den falschen Lebensentscheidungen kenne ich auch nur zu gut (bei uns würde ich das nur nicht in Zusammenhang mit den Kindern stellen). Wir haben vor 7 Jahren auch Entscheidungen getroffen, die mich fast täglich an und teilweise über meine (emotionale) Belastungsgrenze bringen. Meine Erfahrung ist die, dass man kaum jemanden findet, der einen versteht, geschweige denn in der Lage ist, die Länge und Schwere eines solchen Weges mitzutragen. (Liegt wohl daran, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat…) Da wünsche ich dir wirklich jemanden, der dich in deiner Situation verstehen kann und du Oasen zum Kräfte mobilisieren finden kannst.
          Und was die Vorurteile betrifft… denen bin ich als dreifach Mama, die sich bewusst dafür entschieden hat, zu Hause zu bleiben, solange es für die Familiensituation das Beste ist, auch ständig in Schule und Kindergarten ausgesetzt. Blöd, aber irgendwie muss man es wohl schaffen, drüber zu stehen. Wünsche dir, dass es dir gelingt.
          LG

          1. Hallo Luisa,
            danke für deine lieben und verständnisvollen Worte!
            Ja, ich würde tatsächlich sagen, dass ich ein zweites Kind nicht für mich bekommen würde, um mich irgendwie vollständiger oder richtiger zu fühlen, oder weil man das so macht, sondern einfach nur, um meinem Kind mehr Familie zu ermöglichen – auch für die Zukunft. Ich habe noch nie einen Menschen auf die Art und Weise geliebt, wie ich mein Kind liebe: ohne Vorbedingungen, einfach nur, weil es ist. Auch wenn es mir nicht gut tut in dem Sinne, dass ich von seiner Existenz einen Vorteil habe oder es mir immerzu Gutes tut, mich glücklich macht oder es für mich ein erhebendes Gefühl wäre, “Mama” genannt zu werden etc.
            Vielleicht ist das auch ein Teil des Impulses, der Menschen veranlasst, Kinder bekommen zu wollen, dass wir in uns etwas haben, was bedingungslos lieben kann und das in Kindern Gestalt/ein Gegenüber bekommt (Partner und Freunde sucht man sich ja für gewöhnlich eher danach aus, ob sie einem gut tun oder weil sie Eigenschaften haben, die man besonders toll findet oder einen ergänzen – und diese Liebe kann dann auch vergehen, wenn die jeweiligen Eigenschaften oder Verhaltensweisen nicht mehr da sind).

  5. Ich möchte noch etwas zum Muttertag ergänzen. Ich glaube, es ist ganz schwierig, hier einen gelingenden oder allgemein gültigen Weg zu finden – ob in der Gesellschaft oder in der Gemeinde -, kinderlose Frauen zu integrieren, zumal es nicht “die” kinderlose Frau gibt.
    Würde man z.B. fünf kinderlose Frauen in der Gemeinde fragen, welchen Umgang sie sich am Muttertag wünschen würden, würde man vermutlich fünf verschiedene Antworten bekommen. Diejenige, die mit dem Thema bereits abgeschlossen hat oder offen damit umgeht, würde sich wahrscheinlich etwas anderes wünschen, als diejenige, die gerade am Morgen ihre Tage bekommen hat oder einen erfolglosen IVF-Versuch verarbeiten muss oder sich nicht “outen” möchte als kinderlos …. Je nach persönlicher momentaner (!) Verfassung würden sich die betroffenen Frauen wünschen, gesehen und wahrgenommen zu werden oder eben nicht. Und diese momentane Verfassung kann sich auch ganz schnell ändern. D.h. es ist keine verlässliche Größe, so dass man sagen könnte, so oder so sollte man in der Gemeinde den Muttertag angesichts der kinderlosen Frauen feiern.

    Gleichzeitig finde ich es sehr schön, dass es den Muttertag gibt und ganz objektiv gesehen ist es schön, dass die Mehrheit der Frauen problemlos Kinder bekommen kann. Und auch da: es gibt nicht die 24-Stunden x 7-Tage glückselige Mutter. Vielleicht hat manch eine eine harte Woche hinter sich mit Kinderkrankheiten, schlaflosen Nächten, Kinderstreitereien … und ist völlig überlastet. Ihr tut es vielleicht gerade sehr gut, dass ihre unscheinbare Arbeit wahrgenommen und geehrt wird.
    Vielleicht gibt es die Frau, die nach langen Wartejahren endlich Mutter geworden ist und zum ersten Mal Muttertag feiern darf.
    Vielleicht gibt es die Frau, die die Nachricht einer vierten oder fünften Schwangerschaft verkraften muss und dazu ein Ja finden muss, weil sie sich gedanklich schon von der Kleinkindphase verabschiedet hat und sich auf die Möglichkeiten gefreut hat, sich nun mehr auf sich und ihren Weg fokussieren zu können.
    Ich finde, gerade Mütter, die sich dafür entscheiden, sich, ihre Bedürfnisse und ihre berufliche Laufbahn hinten an zu stellen, sind in der Gesellschaft und auch zunehmend in den Gemeinden in der Minderheit und erhalten oft keine Anerkennung für ihren manchmal im wahrsten Sinne des Wortes “Scheiß”-Job. (Dass kein Missverständnis entsteht: Ich habe absolut nichts gegen arbeitende Mütter!) Ich kenne Mütter, die mit Minderwert zu kämpfen haben, weil sie “nur” Mütter sind. Es ist schön, wenn sie gesehen und geehrt werden in den Gemeinden, denn sie leisten einen wichtigen Job.

    Grundsätzlich neigen wir als Menschen dazu, unseren Mangel und den Segen des anderen zu sehen. Die Kinderlose sieht den Kindersegen der anderen, die Mutter sieht die tolle Figur, die finanziellen Möglichkeiten, Unabhängigkeit und Freiheit der Kinderlosen usw. Die Gesellschaft und unsere Gemeinden bestehen aus Menschen, deren Träume sich in manchen Bereichen erfüllen und in anderen zerplatzen: Da gibt es das glückliche Ehepaar und das, das vor den Scherben der Beziehung steht, da gibt es Menschen, die nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen können und solche, die mit dem neusten BMW, stylischen Markenklamotten oder dem neusten Handy erscheinen. Menschen, die von ihren neusten Urlaubsplänen erzählen und solche, die vom Urlaub nur träumen können, Mütter und Kinderlose….

    Wie schafft man es grundsätzlich, mitzuleiden, wenn ein Glied leidet und sich mitzufreuen, wenn ein Glied geehrt wird (um es in den Worten von Paulus auszudrücken).

    Der Muttertag ist nun mal ein Ehrentag für die Mütter und ich finde, sie dürfen diesen Tage genießen ohne ein schlechtes Gewissen einer kinderlosen Frau gegenüber. Und ja, für die Kinderlose ist dieser Tag in den allermeisten Fällen einfach nur Scheiße, und leider gilt es, das (zusätzlich zu der eigenen Situation) auszuhalten und in der “Fortgeschrittenen-Version”: sich sogar für die Mütter zu freuen, zumindest kognitiv, denn emotional ist es fast unmöglich.

    Ich selber war 11 Jahre kinderlos. Die ersten fünf Jahre war es noch ok, wir waren jung, ich habe studiert… aber die anderen 6 Jahre waren unglaublich schlimm und schmerzhaft, wenn man ständig von Jüngeren überholt wird….. Ich kenne alle emotionalen Achterbahnfahrten, gedanklichen Abwärtsspiralen und tiefen Täler der Kinderwunsch-Zeit bis dahin, dass ich zu Gott sagte: “Ich hasse dich…”
    In unserer Gemeinde wurde damals sehr sensibel mit mir / uns umgegangen. Ich habe keine blöden Kommentare zu hören bekommen. Unsere Situation war bekannt, dennoch bin ich am Muttertag, wenn es zum Verteilen der Blumen kam, aus dem Raum gegangen. Einmal kam ich wieder rein in den Saal, als von vorne gesagt wurde, dass auch diejenigen, die Mutter werden wollen (oder so ähnlich) eine Blume bekommen sollen (den genauen Wortlaut weiß ich nicht, aber es wurde wirklich sehr sensibel mit gut gewählten Worten gesagt). Ich dachte nur: “Mist, wäre ich doch noch 10 Minuten auf dem Klo geblieben.” – Über mich kann ich sagen, dass ich als kinderlose Frau eine emotionale Wundertüte war: für mich selbst, und erst recht für andere Menschen unberechenbar.

    Heute würde ich kinderlosen Frauen raten, je nach eigener Befindlichkeit am Muttertag einfach zu Hause zu bleiben oder es auszuhalten (im besten Fall sich sogar mitzufreuen), dass Mütter geehrt werden. Ich persönlich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht, mich am Verteilen der Blumen zu beteiligen, indem ich den Kindern die Blumen in die Hand drückte, die sie dann an Mütter verschenkt haben. So habe ich auch übrig gebliebene Blumen bekommen, aber nicht in der Rolle als Mutter. Denn für etwas geehrt zu werden, was ich nicht war, das hätte meinen Schmerz nur noch verstärkt, und Um-Interpretationen wie “geistliche Mutter” hätten es für mich persönlich aus meiner subjektiven Sicht auch nicht besser gemacht.

    Inzwischen, als Mutter von drei Kindern, schäme ich mich über so manchen Gedanken, den ich damals jungen Müttern gegenüber hatte. Ich hatte für ihre struggles nämlich genauso wenig Verständnis wie sie für meine Kinderlosigkeit.
    Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, dass wir alle hin und wieder die Welt durch die Brille der anderen betrachten. Vielleicht würde sich das Mit-Weinen und Mit-Freuen am Muttertag dadurch automatisch ergeben.

    1. Ich habe es in einer Gemeinde mal erlebt, dass zum Muttertag einfach allen Frauen eine Blume geschenkt wurde (um genau das Problem der ungewollt Kinderlosen zu umschiffen). Ich war damals glücklicher Single und das Muttersein total weit weg für mich 🙂 aber ich fand es eine nette Aktion. Und finde das auch nach wie vor eine elegante Lösung.

      1. Du schreibst, du warst glücklicher Single, und ich glaube, das ist der springende Punkt. Als ich noch keinen Kinderwunsch hatte, fand ich das auch irgendwie lustig, eine Blume zu bekommen, aber genauso wenig hat es mir was ausgemacht, keine Blume zu bekommen. Mit wachsendem Kinderwunsch und dem damit verbundenen Schmerz war beides blöd, sowohl “leer” auszugehen, als auch eine Blume zu bekommen, die mich nur noch schmerzlicher daran erinnerte, was ich nicht war und sehnlichst zu sein wünschte. Ich kann mich erinnern, dass ich eine solche Blume mal direkt in den Müll geschmissen habe.
        Es ist sicher eine nette Geste, jeder Frau eine Blume zu geben, und vielleicht findet das die Mehrheit der ungewollt kinderlosen Frau auch toll, aber eine Pauschallösung gibt es da wohl nicht (für mich hätte es sie jedenfalls nicht gegeben).

  6. Bei meiner Frau und mir dauerte es etliche Jahre, bis uns die Einsicht dämmerte, dass medizinisch irgendetwas nicht stimmt. In den ersten Jahren hatten wir, weil wir uns erst einmal eine Existenz aufzubauen wollten, noch alles Mögliche unternommen, um eine Schwangerschaft unter allen Umständen zu vermeiden. Nachdem wir beruflich Fuß gefasst hatten und der Kinderwunsch da war, taten wir mit demselben Eifer alles Erdenkliche dafür, dass es mit dem Nachwuchs klappt. Leider ohne Erfolg. Den Druck, der dabei aus der Verwandtschaft und nicht zuletzt vor allem auch aus Teilen der Gemeinde kam (“Und, wann ist es denn bei euch endlich so weit…?” etc.), empfand ich damals als sehr belastend und am Ende fast schon unerträglich. Insbesondere als sich bei den medizinischen Untersuchungen schließlich herausstellte, dass es an mir lag, war ich am Boden zerstört und rechnete eigentlich damit, dass unsere Ehe nun in die Brüche gehen würde, zumal sich meine Frau ja nichts sehnlicher wünschte als ein Kind zu bekommen und es zu der Zeit fast kein anderes Thema mehr zwischen uns gab. Irgendwer gab uns dann den Tipp, es doch mal mit künstlicher Befruchtung zu versuchen. Dieser Weg führte uns letztlich in eine Kinderwunschklinik. Nach unzähligen Behandlungen und langem Warten zwischen Hoffen und Bangen klappte es am Ende tatsaächlich und meine Frau wurde schwanger. Heute sind wir stolze Eltern von zwei gesunden Mädchen, wofür wir sehr, sehr dankbar sind. Im Rückblick hat der schwierige Weg meine Frau und mich als Paar noch enger zusammen geschweißt, wie das ja häufig bei Schicksalsschlägen der Fall ist. Ich kann von daher nur dazu ermutigen, die Hoffnung auf Nachwuchs nicht zu früh aufzugeben und erst alle medizinischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Natürlich ist auch ein Scheitern denkbar. Wir kennen auch ein befreundetes Paar, bei dem das alles nicht geklappt hat. Sie stecken dafür seither viel Engagement und Herzblut in die Kinder- und Jugendarbeit ihrer Gemeinde und sind dort ein großer Gewinn.

    1. In meinem Fall ist so, dass ich und meine Frau ein Kind haben. Mein Wunsch war immer, dass unser kleiner ein Geschwisterchen bekommt. Inzwischen meinte meine Frau, dass sie eig nie Kinder wollte und das eine Kind das wir haben nicht mehr als unser Wunschkind ansieht, als wäre es letztlich nur mein Wunsch gewesen dem sie nachgegangen ist. Dabei war es eine gemeinsame Entscheidung gewesen auf Verhütung zu verzichten. Sie zieht sich mehr zurück aus der Erziehung und verbringt immer weniger Zeit mit unserem Sohn. Jetzt steh ich da mit einem Wunsch, eig noch ein zweites Kind zu bekommen. Für mich als Mann natürlich eine etwas andere Situation, aber das ist der Punkt wo mich das Thema trotzdem bewegt hat.

  7. Danke, Anna, danke, Hossa, dass ihr das Thema anpackt und ich hoffe es hören viele Leute den Talk, selbst wenn sie denken, das betrifft sie nicht….. Ich fühle mich dadurch als Betroffene etwas weniger unsichtbar. Auch wenn ich zunächst irritiert war, dass hier drei Leute, die Kinder haben, über unerfüllten Kinderwunsch sprechen!

    Hier kommt ein link zum von Anna erwähnten Buch von Magali vom hope-netzwerk (kriegt man natürlich auch bei anderen Online-Buchläden oder besser noch: support you locals ;-):
    https://www.herder.de/leben-shop/hopeful-gebundene-ausgabe/c-28/p-19338/
    An manchen Stellen musste ich bei diesem Buch für mich den frommen Zuckerguss etwas abkratzen, aber es ist -anders als die meisten Storys im Buch von der großartigen Anna- aus der Situation „ich stecke noch mittendrin“ geschrieben, was meiner eigenen Situation näher ist als die Geschichten, die aus dem Rückblick geschrieben sind. Annas Buch würde ich gerne jeder Gemeinde und jedem Menschen im Freundeskreis von Betroffenen (statistisch gesehen also vermutlich jedem ;-)) verordnen….
    Ich kann auch das hope-netzwerk empfehlen, ich habe da ein wenig gebraucht, um mich ranzuwagen, vor allem, weil mich die Homepage stilmäßig so gar nicht angesprochen hat.

    Was mich noch beschäftigt: auch Singles können einen Kinderwunsch haben, meiner Erfahrung nach wird das einem kaum zugestanden. Für mich war es ein Abschied vom Kinderwunsch auf Raten: ich wollte immer eine große Familie und da ich schon etwas älter war, als ich meinen Traummann gefunden habe, hatte ich mich davon schon mal verabschiedet, aber weiterhin von der Kleinfamilie geträumt. Und dann waren wir, nachdem wir nicht schwanger wurden, relativ schnell als „aussichtsloser Fall“ durchdiagnostiziert.

    Uns Frauen wird oft ein „Verfallsdatum“ aufgestempelt- so nach dem Motto: wenn du mit 40 keine Kinder hast, dann kriegst du wohl auch keine mehr- und frau bekommt explizit oder unterschwellig vermittelt, dass frau dann auch keinen Kinderwunsch mehr zu haben hat oder doch zumindest irgendwie bestimmt selbst Schuld ist an der Kinderlosigkeit, weil sie halt zu lang gewartet hat.

    Wichtig finde ich auch, dass nicht das Umfeld vorschlagen sollte, was ein anderer Weg sein kann, seine mütterliche oder väterliche Seite auszuleben (so nach dem Motto: „dann mach doch einfach bei der Kinderkirche mit“), sondern dass man/ frau einen eigenen Weg finden darf. Ich habe mich eigentlich schon immer „mütterlich“ für andere eingesetzt und wenn mir jemand vorschlagen würde, dass ich doch meine „Mutter-Begabung“ einfach anderswo einsetzen soll, würde ich an die Decke gehen- mir reicht das auf jeden Fall nicht!
    Die Familienzentriertheit vieler Gemeinden geht mir mächtig auf den Keks. Ich war schon vor der Kinderlosigkeit einigermaßen durch mit der Dekonstruktion meines Glaubens, aber auch in unserer relativ progressiven Gemeinde fühlen wir uns als kinderloses Paar ziemlich unsichtbar (es gibt Angebote für Junge Erwachsene und dann halt wieder für Familien).

    Wir sind mittlerweile Adoptivbewerber und beobachten nun, dass viele in unserem Umfeld denken, dass dann ja alles ok ist. Doch das stimmt nicht, der Schmerz, keine Schwangerschaft erlebt zu haben, kein Kind geboren und von Anfang an begleitet zu haben, bleibt natürlich. Es wäre auch fatal, wenn ein Adoptiv- oder Pflegekind (das sind auch wieder zwei unterschiedliche Wege!) als „Ersatz“ gesehen würde. Es ist ein ganz anderer Weg, der auch nicht für jedes Paar der passende ist!

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