„Ihr redet viel über Gott. Aber dabei geht ihr immer davon aus, dass es ihn gibt. Woher wisst ihr das überhaupt? Und wenn es ihn gibt – woher wisst ihr, dass er so ist, wie ihr glaubt?“ Diese Frage hat uns Daniel gestellt. Sie ist wirklich gut. Woher kann man wissen, dass es Gott gibt? Wie kann man überhaupt irgendetwas wissen? Sind viele Dinge, die wir wissen, nicht eher Dinge, die wir zu wissen glauben? Und wie kommt dann jemand dazu, dass sie ganz bewusst glaubt – oder eben nicht?

Wir reden über die persönliche Reise des Glaubens, über Dekonstruktion und Rekonstruktion und finden endlich in allen Fragen zu endgültiger Klarheit. Nicht. Aber hört selbst.

8 thoughts on “#164 Woher kann ich wissen, dass es Gott gibt?

  1. Den endgültigen Beweis, dass es Gott gibt, seid ihr zwar schuldig geblieben, aber immerhin hat sich auf dem Schlachtfeld des Glaubens der Nebel etwas gelichtet. 🙂

    Ich bin für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass mein Glaube in vielen Fällen mehr Sinn macht, wenn ich „weil“ durch „indem“ ersetze.

    Ich glaube also z.B. nicht, dass mir Gott deswegen vergeben hat, weil Jesus gestorben ist, sondern indem Jesus gestorben ist – weil sich durch Menschwerdung, Nähe, Wunder, Heilung, Tod und Auferstehung Vergebung vollzieht.

    Oder ich glaube auch nicht, dass Gott Gebete erhört, weil ich bete, sondern indem ich bete – weil sich dadurch der Lebensfluss von Gott zum Menschen ergießt.

    Und somit würde ich auch nicht sagen, dass ich Christ bin, weil ich an Gott glaube (glaube ich an Gott?), sondern indem ich an Gott glaube – als eine Art Vita activa, durch die sich Gott durch mich zum Ausdruck bringt.

    Wenn die Antwort aber mit „indem“ und nicht mit „weil“ anfängt, wäre die wesentliche Frage nicht, warum ich an Gott glaube, sondern wie ich an Gott glaube – der Fokus läge also nicht auf dem Wasser, dass Jesus mir zu trinken gibt, sondern auf dem Akt des Einschenkens, des Trinkens und Schmeckens.

    Statt also zu fragen, ob ich noch die richtigen Dinge glaube, müsste ich mich dann eher fragen, ob ich die Dinge immer noch richtig glaube – oder der Raum für Begegnung nicht zu klein ist, wenn ich beispielsweise das Fasten durch Süßigkeitenverzicht ersetze, oder das Ritual durch die Predigt, oder das Almosengeben durch den Bankeinzug.

    1. Ja, das “indem” statt “weil” hört sich gut an, ist aber m.E. ein Zirkelschluss. “Indem” setzt voraus, dass etwas tatsächlich geschehen ist oder einfach so ist.

      Bsp: “indem Jesus gestorben ist – weil sich durch Menschwerdung, Nähe, Wunder, Heilung, Tod und Auferstehung Vergebung vollzieht” – das setzt voraus, dass tatsächlich Vergebung geschieht (und überhaupt notwendig sei).

      Du führst es ja eigentlich selbst an den Punkt: “Statt also zu fragen, ob ich noch die richtigen Dinge glaube, müsste ich mich dann eher fragen, ob ich die Dinge immer noch richtig glaube” – “Die Dinge” muss man eben doch glauben…

      1. Das hast du Recht. Ich will ja nur sagen (um im Beispiel zu bleiben): Vergebung ist nichts, das einsetzt, nachdem eine Handlung abgeschlossen ist, sondern sie vollzieht sich in der Handlung. Bayern wird also Meister, indem sie fast alle Spiele gewinnen. Das Was und das Wie sind gleichbedeutend – Meister sein bedeutet, mehr Spiele zu gewinnen als die Anderen. Weil sie mehr Spiele gewonnen haben, bekommen sie dann auch noch eine Prämie, aber die Prämie vollzieht sich nicht im Spiel, sondern sie ergibt sich daraus als Folge. Und genauso würde ich sagen, dass Vergebung nichts ist, dass (wie eine Prämie) auf eine Opferungshandlung folgt, sondern, dass in der Opferungshandlung selbst Vergebung stattfindet – und das nicht nur bei Jesus, sondern immer dann, wenn wir vergeben und wir in dem Zuge den Teil von uns, der um sein Recht betrogen wurde, opfern müssen.

  2. Spannendes Thema, zwischendrin dachte ich, wir Menschen können immer wieder nach einem woher fragen, eine Grenze gibt es da ja nicht. Unser Hirn ist absolut fragend, suchend und kreativ. Die Hirnforschung hat ja auch herausgefunden, dass wir ein Ereignis als reale Erinnerung abspeichern können, ohne das es je passiert ist, aber in unserem Kopf ist es so real, dass wir überzeugt sind, dass wir das erlebt haben. Man hat ja mal Leute verhört und ihnen gesagt, dass sie eine Straftat begannen haben, diese Leute dachten bald, dass sie das wirklich begangen haben, auch dann, wenn man ihnen bewiesen hatte das sie das nicht waren, aber in ihrem Kopf war diese falsche Erinnerung so real, dass sie fest davon überzeugt waren, dass das passiert ist. (Hobmair – Psychologie) Jetzt die spannende Frage, was macht unser Gehirn bei dem Glauben an Gott? Machen wir etwas real, was nicht real ist bzw. haben wir eine spirituelle Realität erschaffen?
    Letztlich können wir immer fragen, woher kommt z.B. Liebe und die Wissenschaft hat eine Erklärung. Wir können fragen, woher kommt der Mensch, bzw. die Schöpfung und wir können mit Gott Antworten. Aber da können wir weiter fragen, woher kommt Gott eigentlich? Der kommt von dem / das …, aber woher kommt das oder dem oder der?
    Am Ende hat jeder eine individuelle Antwort, einen Gedanken zu der Frage nach der Realität Gottes, daher ist der Glaube so finde ich, was total individuelles, sehr Persönlichkeitsabhängig. Ich habe keine Ahnung ob Gott existiert, aber ich will es glauben, da Gott sicher der Hauptbestantteil des Lebens ist, bzw. ohne ihn Leben nicht leben und existieren kann. Vielleicht sehen wir Menschen am Ende nur die Wahrheit die wir sehen wollen? Gott liebt diese ganze Schöpfung, vllt weil er die ganze Schöpfung selbst ist? Sie existiert nicht ohne ihn und ohne ihn kann sie nicht existieren? Manchmal schockiert mich diese Schöpfung, aber dann fasziniert sie mich auch wieder.

  3. Schönes Geschwafel. Mal wieder.
    Das Leben ist nicht dazu geschaffen geworden, um vermessen zu werden.
    Bei all dem Wissensdurst komme ich immer wieder auf diesen Satz.

    So ist auch Glaube, Liebe, Hoffnung nichts, was man kontrollieren könnte.

    Das ist ja das Geheimnisvolle an Gott: Er macht es uns nie recht.

    Wir können den brennenden Dornbusch nicht erzwingen.
    Wir lesen Bibel, lernen ihn kennen, lassen uns leiten.
    Und manchmal laufen wir auch einfach 40 Jahre durch die Wüste.

    Jesus selbst bekommt auf seinen existentiellen Schrei: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” keine Antwort.
    Er stirbt so gesehen in Ungewissheit, aber mit einer Hoffnung auf den lebendigen Gott.

    Auch das Mk-Evangelium endet ja mit der Verheißung Jesu und der Furcht der Jünger (Mk16,8 als Originalende).
    Die Jünger hatten all die Wunder erlebt – es half nichts, wie bei den Israeliten damals. Gott rettet sie jedes Mal und immer wieder hauen sie ab. Welch ein gütiger Gott!
    Wenn es einen geben sollte, dann bitte lass es diesen Gott sein.

  4. Hallo Jay, hallo Gofi,

    Super-Folge, zu einem, wie ich auch finde, sehr aktuellen Thema.

    Ich fand den Punkt spannend, dass die Fähigkeit, an Gott zu glauben (Gofi vs Jay), einfach eine Art von Gabe ist. Je mehr ich über meine Überzeugungen nachdenke, desto mehr stelle ich fest: ich glaube, weil ich es will. Etwas in mir braucht so sehr einen Sinn, dass ich eine gottlose Welt unerträglich fände. D. h. meine Wahrheitssuche ist immer gefärbt (confirmation bias). Ich weiß, dass Wissenschaftler theoretisch der Neutralität verpflichtet sind, aber das ist aus meiner Sicht fast unmöglich. Aus dieser persönlichen Perspektive macht es auch wenig Sinn, andere von meinem Glauben (meiner Konstruktion) überzeugen zu wollen, denn jede Person hat ihren eigenen confirmation bias, den aufzuheben der Quadratur des Kreises gleichkommt: “A man convinced against his will, is of the same opinion still.” (gilt natürlich auch für Frauen).

    Das bringt mich allerdings zu einem Thema, was ihr nicht so richtig ansprecht: jede Konstruktion ist auch immer eine Identitätssuche, die, soweit ich es beurteilen kann, untrennbar mit der Suche nach Gemeinschaft verbunden ist. Hossa Talk ist ein Beispiel dafür. Hier finden sich “Brüder/Schwestern im Geiste” zusammen und fühlen sich verstanden/gehört/zugehörig etc. Keine Gemeinschaft, kein Hossa Talk. Ich denke, das gehört ganz stark zusammen, d. h. man kann sich m. E. nie auf die Fahnen schreiben, ja nur nach der Wahrheit zu suchen: man wird dabei auch immer nach Gleichgesinnten suchen, oder dies ggf. “erzwingen”, in dem man andere von seinen “Wahrheiten” zu überzeugen versucht. Im harmlosesten Fall heißt dass, das ich einen Podcast mache, Videos oder Bücher veröffentliche, aber es kann auch bis zur Gehirnwäsche oder Zwangskonversion gehen.

    Ein weiterer Punkt ist das Bedürfnis nach Sicherheit (menschliches Grundbedürfnis). Jede Erklärung der Welt gibt eine gewisse Sicherheit, ohne die die viele Menschen irre würden. Andererseits scheint das auch wieder individuell zu sein: manche Menschen finden mehr Sicherheit in Welterklärungen, andere brauchen nur einen Tagesrhythmus und den netten Bäcker an der Ecke und das reicht ihnen (so sagen sie, ich bin noch nicht so überzeugt ;)).

    Zu guter Letzt: dein “Glaubensbekenntnis” am Ende is super, Jay!

    Viele Grüße
    Jakob

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