‚Lobpreis‘: ein Begriff, der den wenigsten Menschen im deutschsprachigen Raum bekannt ist. Einer großen Zahl von Christ*innen ist er dafür umso wichtiger. Vielerorts ist ein Gottesdienst ohne ihn undenkbar. Schließlich handelt es sich um DIE zeitgenössische Kirchenmusik, die bei Jung und Alt beliebt ist. Doch so viele Verfechter*innen er hat, so viele Kritiker*innen hat er auch. Zurecht? Wir finden schon. In diesem launigen, aber trotzdem ernsthaften Gespräch erzählen wir von positiven und negativen Erfahrungen, überlegen, welche Tücken das Format hat, warum die Musik so klingt, wie sie oft klingt, warum wir Lobpreis manchmal als übergriffig empfinden, welche Theologien Text und Musik prägen und welche positiven Beispiele wir kennen. Dieser Talk ist kein Bashing, sondern ein ehrlicher Versuch, sich kritisch und fair mit einem wichtigen Phänomen auseinanderzusetzen. Aber hört selbst.

38 thoughts on “#172 Lobpreis: Beam me up, Scotty! – Was wir an der heutigen Kirchenmusik toll finden und was wir kritisieren

  1. Interessanter Talk, vor allem zu den Lyrics. Ich hab in den letzten 30 Jahren viel gesehen, gehört und selbst gespielt. Am meisten berühren mich die Songs von zerbrochenen Leuten, die das auch thematisieren (Emo-Worship?). Damit kann ich mehr anfangen als mit shiny-happy-people-Lasstunsalleaufstehen-Kram. Wenn so eine Ansage kommt, bin ich der (notfalls einzige), der sitzenbleibt. Anspieltips: Kevin Prosch, The violet burning, John Marc McMillan (die erste). Cheers.

  2. Hallo!

    Ich hoffe, Gofi hat jetzt eine Gemeinde gefunden, in der seine beiden Söhne integriert werden!

    Bislang kannte ich Kritik an moderner christlicher Musik nur von diesen engstirnigen, gesetzlichen, hartherzigen Christen, von denen ihr euch etwas absetzt. Die Kritikpunkte, die ich rezipiert hatte, waren folgende:
    1. Hillsong = Hellsong, wegen diversen Skandale aller Art.
    Hillsong, Worthaus und Hartl sind ganz schlimme Finger, die den Glauben verdrehen oder so: https://www.youtube.com/watch?v=pkjyuEUvNOo
    2. Bethel ist böse, weil die Gräber umarmen.
    Ich hatte die Vermutung, hier vollzog sich eine neue Spaltung der Christenheit zusätzlich zu der von progressiven versus konservativen, aber ihr seid darauf gar nicht eingegangen.
    3. Moderne Rockmusik ist vom Satan. Ganz schimm bei ICF München.
    4. Besucher von Konzerten christlicher Musik verwechseln das Wehen des Heiligen Geistes und die durch die Musik ausgelöste Euphorie.
    Diesen Punkt habt ihr vage angesprochen, aber nicht ganz geklärt, wie man beides auseinanderhalten soll.
    5. Viele der Lieder sind verkappte Erotik-Lieder.
    Diesen Punkt habt ihr ähnlich gesehen. Wer was bewußt reflektiert hat und wer nicht, kann man im Zweifelsfall aber gar nicht wissen.
    6. In den Liedern ist zu selten von „wir“ die Rede und zu viel von „ich“.
    Diesen Punkt habt ihr auch gebracht. Er ist korrekt.

    Eure eigene Kritik scheint davon bestimmt zu sein, daß ihr seit Jahrzehnten eine Überdosis deutscher Lobpreis-Lieder rezipiert habt. Ich kenne die meisten gar nicht, sondern etliche englische, wenige deutsche und einige arabische. Daher habe ich vieles, was ihr gesagt habt, gar nicht so verstanden. Muß wohl noch viel im Glauben wachsen 😉

    Ihr habt u.a. folgende Lieder zitiert:

    Andrea Adams-Frey & Albert Frey – Damit wir das Leben haben
    Schon beim Nachhören von eurem letzten Talk zu dem Thema, habe ich erfahren, wer Albert Frey und Chris Tomlin sind, und neue tolle Lieder kennengelernt. Hier war es jetzt auch wieder so. Vielen Dank!
    Ich glaube aber, ihr habt den Titel verwechselt. Im Text steht nix von Galaxien, die um Gott herumwirbeln.
    Welches Lied meintet ihr wirklich?

    Majesty:
    Das Lied ist schlecht. Es will die Wichtigkeit der Majestät betonen, indem die Silbe „Ma“ langgezogen wird. Das ist typisch für schlechte Dichtkunst, wie man sie auch in vielen Popsongs der letzten Jahre hört, die auch alle schlecht sind.

    Shine Jesus Shine – Graham Kendrick
    Danke für den Tipp!
    Das Lied ist ganz nett, plätschert vor sich hin. Für die 99 ist es geeignet.

    Mitch Schlüter – Sei still
    Langweilige Einschlafmusik. Christliche Klampfer sollten auch in Konkurrenz gehen können zu den besten Liedern der Dunkelheit, z.B.
    Angerfist – Close to you (und alles von denen),
    Holy Noise – The nightmare,
    Centaspike – You’ll always be mine,
    Psychoz – Into the darkness

    Yeshua
    Super Lied, kannte ich schon!

    „Du bist hier“
    Was ihr da extra-trocken zitiert habt, ist eine deutsche Übersetzung von „Waymaker“ von Osinachi Kalu Okoro Egbu AKA Sinach. Das soll das populärste christliche Lied 2020 gewesen, womit viele Christen gegen Corona angesungen haben. https://en.wikipedia.org/wiki/Way_Maker Es gibt viele coole Cover-Varianten, wo die beste m.E. die von Leeland + Sinach + Mandisa ist. Habt ihr das nicht dazugesagt, weil das sowieso jeder weiß? Das Lied ist super, um mal stark zu untertreiben!

    In den Liedern, die ich toll finde, geht es gar nicht nur darum, groß zu machen, sondern eher um „sola gratia“, Kreuz, Auferstehung, Überwindung von Scham, bedingungslose Liebe und so. Die beste Worship-Sängerin der Welt bringt das auch mal allein mit ihrer Stimme und ohne manipulative Musik rüber: https://www.youtube.com/watch?v=pkjyuEUvNOo
    Einen Anspruch an den Glauben der Zuhörer stellt sie natürlich auch in ihren Liedern. Sonst wüßte ich auch gar nicht, daß „Hossa Talk“ existiert.

    Intimität, Übergriffigkeit und Erotik gibt es übrigens auch in dem besten satanistischen Lied, das ich bislang gefunden habe: Manowar – Bridge of Death

    Mehr theologische Aussagen in den Liedern, die ihr wünscht: Könnte man machen, aber ein Liedtext ist immer kurz. Für inhaltliche Vertiefung kann man sich ja auch Worthaus-Vorträge reinziehen.
    Mehr Aufrufe zu Feindesliebe, Rassismuskritik und Fragen des christichen Lebens in der Praxis als Textinhalte? Ist das nicht einfach eine andere Musikrichtung namens Reggae mit kiffenden Sängern wie Macka B, Bob Marley usw.? 😉
    https://www.youtube.com/watch?v=lF-Un1P1LTk

    Lieder, in denen der/die Singende nicht gerade im Hoch des Glaubens schwebt, habe ich auch gefunden:
    Michael W. Smith – Missing Person
    Lauren Daigle – You say
    „You say, I am loved, when I don’t feel a thing“
    Deborah Rosenkranz – Du sagst
    Albert Frey – Keine Lust zu beten
    „Gott, ich glaube heute nur ein bißchen an dich, und später f*cke ich meine Frau“ ist nicht anstößig, da Sex in der Ehe keine Sünde, sondern ein Genuß des Segens, den Gott in dein Leben gegeben hat, ist. Es könnte aber sinnvoll sein, sexuelle Vorgänge ohne vulgäre Begriffe zu beschreiben.

    Cory Asbury – Reckless Love
    Zählt der musikalische Beginn des Liedes zu dem Schema F bei Gitarrenmusik, das ihr kritisiert habt? Oder ist er einzigartig?

    Die Erotik im Worship finde ich eher gut. Es gibt ja auch Verehrung, Unterwerfung und den Wunsch von Hingabe bis zum Tode in der Erotik. Gott kann alles zum Vehikel seines Wirkens nutzen.
    Künstlich verstellte oder rauchige Stimmen finde ich nicht erotisch.
    Das beste weltliche Sex-Lied ist nicht von Brittneh Schpiers, sondern m.E.:
    Anne Clark – Virtuality

    Wann kommt euer Talk zu christlicher Musik jenseits von Worship?
    Werden die folgenden Musiker dabei erwähnt werden?
    Clannad – Skellig
    Moya Brennan
    Eric Church – Sinners like me
    Charlie Daniels (als abschreckendes Beispiel bei den Inhalten)
    DJ Flubbel – Put down your smartphone

    Momentan haben Christen ein hohes Qualitätsniveau im Bereich Rock/Pop erreicht.
    Ich hoffe, sie schaffen das auch bei anderen Musikrichtungen wie Symphonic Metal, Harcore Techno und Psybient/Chillout.

    Alles Gute!

    1. Zitat: Ich glaube aber, ihr habt den Titel verwechselt. Im Text steht nix von Galaxien, die um Gott herumwirbeln.
      Welches Lied meintet ihr wirklich?

      Hatte die gleiche Frage, habe das Lied: „Deine Liebe fließt“ gefunden… das müsste es sein.

  3. Was mich noch irritiert sind die Worthülsen a la „Wir loben Dich“, gern auch häufig wiederholt. Würde das jemand zu mir sagen, würde ich antworten: „Na dann tue es doch“.
    Was ich auch nicht verstehe, ist, warum Gott überhaupt Anbetung in diesem Stil möchte. Wenn er es möchte. Für mich ergibt das irgendwie keinen Sinn. Gut, die innere Haltung ist schon ok, Dankbarkeit ect. Aber ich würde es als Elternteil nicht wollen, dass meine Kinder mich ununterbrochen „loben und preisen“ weil ich Ihnen so viel Gutes getan habe. Respekt, Dankbarkeit und Freude zu sehen würde mir da schon reichen. Und natürlich auch ab und an eine verbal geäußerte Anerkennung.

  4. Ich muss sagen, ich finde Lobpreis, wie er ist, eigentlich ganz schön. Ich muss schon genug nachdenken im Leben, da kommt es mir ganz gelegen, dass die meisten Lieder nicht ganz so anspruchsvoll sind. Die Themenvielfalt erwarte ich dann eher in der Predigt.

    Klar findet man sich in den Texten (Oh, wie sehr ich dich 24/7 liebe…) nicht immer wieder, aber das finde ich gar nicht schlimm. Ich sehe das eher so wie mit der Minne (Liebe) im Mittelalter, die ein Eigenleben führt und Menschen vereinnahmt, ohne, dass sie etwas dafürkönnen. So gesehen fühle ich mich beim Singen eher wie ein Kassettenrekorder, durch den Lieder abgespielt werden – und ich bin dann jener, der, eigentlich genauso wie beim Psalmenlesen, von dem Vibe dessen profitiert, der seine Lieder an Gott richtet.

    Würden die Lieder dagegen stärker und ehrlicher meinen Glauben reflektieren, wäre dann wieder das Gedankenkino an und ich könnte nicht abschalten. Lobpreis hat so gesehen etwas vom Zungengebet – es passiert etwas mit mir, ohne, dass ich es produziere.

    Was aber m.E. tatsächlich zu kurz kommt, ist die historische Rückschau – das Besingen der Wunder Gottes in der Geschichte, so wie es in den Psalmen gang und gebe ist. Warum das so ist, lässt sich vermutlich damit erklären, dass sich der Glaube größtenteils auf das Innerliche und somit auf das Gefühl (im Gegensatz zu dem Externen und der Tat) zurückgezogen hat.

    1. Hi Alexander,
      Das ist eine ganz gute Art damit umzugehen. Das ganze Gegrübel bringt mich auch nicht näher zu einem bodenständigen Glauben. Ich hab mir damit keinen Gefallen getan und hab beschlossen, wenn mir was gefällt und gut tut muss es nicht 100% mit meiner theologischen Ansicht übereinstimmen. Ich schau lieber was es mit mir und mit meinen Mitsingenden macht. Klar gibt’s auch richtig schlechte und schädliche Texte und Theologien aber deshalb muss ich nicht alles in die Tonne hauen.
      Ein schöner stadionsong wie z.b. „Champion“ ist was fürs Herz und fürs Wir und hilft dem streitsuchtigen Teil in mir mal kurz mit all dem differenzieren aufzuhören und einfach nur zu spüren, es gibt was größeres .. Also ich kann mich in so grossen Wahrheiten auch bergen… Viele Lobreisdichter scheinen mir gar nicht so platt und oberflächlich zu sein, wie dann manchmal ihre Stücke eingesetzt werden.
      Egal. Ich mag es dass wir hier viele unterschiedliche Meinungen haben.

  5. Hi Jay, hi Gofi!

    Wenn man richtig am Arsch ist, was ihr beide kennt, dann kenne ich zur Zeit keinen kirchlichen Ort, wo ich nicht noch depressiver herausgehe. ABER der Wind weht ja immer noch wo er will.
    Ich werde nie vergessen, wie ich bei einer kleinen Location aus der 2 Reihe dem Sänger und Künstler Neal Morse zuhörte und total depressiv war. Bei einer lauteren Nummer drehte sich der Pastor um, schaute mich an und rief „command“, um mich/ uns zum Mitmachen zu animieren. Ich weiterhin erstarrt. Nach diesem Song sah mir Neal Morse direkt in die Augen, mitfühlend und sagte etwas Tröstliches.
    Dieser Neal hat damals alle Autogrammjäger stehen lassen, um für einen kranken Freund zu beten.
    Wo dieses Erbarmen und diese Liebe fehlt, und mir fehlt das auch, da will ich lieber ehrlich rülpsen, kotzen oder gröhlen oder eben still sein und weinen, als mich selbst zu verarschen.
    Und das passiert in den Kirchen zu oft: Selbstverarschung, Selbstbeweihräucherung, Selbstmanagement.
    Was mir geholfen hat und mich berührt sind Lieder von Jens Böttcher ‚Herz‘, ‚Gefunden‘ von Superzwei, ‚Lieblingskinder Gottes‘ von Gofi und die folgenden, krassen Songs:
    „Neal Morse – Somber Days – Morsefest 2014“ auf YouTube
    „The Prayer Cycle – A Choral Symphony in 9 Movements: Movement V – Grace (Voice)“ auf YouTube an
    https://youtu.be/pE7x129N9TE

    Danke, lieber Gofi, lieber Jay,
    ihr bringt mich selbst am Arsch der Welt noch zum Schmunzeln. Da mache ich gerade Urlaub.

    Bis bald.

    Sören

  6. Hi Jay, hi Gofi!
    Danke für den wertvollen Talk!!!
    Da ich nicht in Herzen schauen kann, weiß ich nicht, wo ehrlicher Lobpreis noch stattfindet.
    Doch in vielen Kirchen, wo Berufsmusiker und Superstars oft das Sagen haben, werde ich noch depressiver. Sie haben es drauf, ja, doch die Psalmen, Klagelieder oder das Buch Hiob wird nicht oder selten einbezogen. Der Wind weht wo er will, ganz bestimmt nicht nur im westlichen Christentum.
    Meine Liste der Lieder, die mich gerettet oder getröstet haben und es immer noch tun:
    „Neal Morse – Somber Days – Morsefest 2014“ auf YouTube an
    https://youtu.be/G-oS9cErUKs

    „The Prayer Cycle – A Choral Symphony in 9 Movements: Movement V – Grace (Voice)“ auf YouTube an
    https://youtu.be/pE7x129N9TE

    „Mein Herz“ auf YouTube an
    https://youtu.be/btLFh1g5AqQ

    „Johnny Cash – Unchained“ auf YouTube an
    https://youtu.be/ccFDISWlx_0

    „NF – Oh Lord (Audio)“ auf YouTube an
    https://youtu.be/H0NOxf4uaZI

    „Coming Through“ auf YouTube an
    https://youtu.be/Ftn4W3uTtoU

    Liebe Grüße

    Sören

  7. ,,Ich hab den Tod gesehen*er kam auf leisen Sohlen*doch er machte mir keine Angst & wollte mich nicht holen*
    Jeder Tag, den ich erleben darf, ist bereits gezählt*nichts geht hier an dir vorbei, erst recht nicht, was uns quält*
    wie oft hüllst du dich in Schweigen oder wir sind es, die uns nicht zeigen*jedes feste Bild von dir zerbricht mit der Zeit*weil es dir nicht gerecht wird & du alles übersteigst*
    alles Reden & Lehren über dich ist so fade*
    Theologen, die mit dir Geld verdienen & nichts steckt hinter der Fassade*
    prächtige Bauten, moderner Lobpreis*
    Was soll der ganze Scheiß?
    Und ich hoffe, du zerbrichst sie genauso wie mich & vergisst deine verlorenen Kinder nicht, die abseits der Kirchen, sich selbst weh tun, um sich wieder zu spüren* S.M.S.

  8. Sorry für Dopplung. Dachte, beim ersten Text ist was schiefgelaufen.
    Ganz viel Kraft für Euch!!!

    Sören

  9. Ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn es mir schlecht geht, und das kommt schonmal vor, dann sind mir viele Lobpreis-Lieder zu sehr „könig“ Herrscher“ Majestät“. Ich komm deutlich besser klar mit „die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“. Ich tu mich oft auch schwer mit dieser martialischen kriegerischen Sprache – Kampf und Sieg und Herrschaft. Und auch das mit dem Sex-Appeal – endlich sagts mal einer.

  10. Hallo ihr Beiden!!!

    Danke erstmal für eure Zeitreise durch die Worship Musikgeschichte der letzten dreißig Jahre.
    Bin Jahrgang 72´und habe vieles genauso erlebt wie ihr.
    z.B. den Druck, jetzt doch Bitteschön gut drauf zu sein wenn man Lobpreis macht, die große innere Müdigkeit nach einer stinklangweiligen Lobpreissession in der dann der Leiter noch meint jetzt noch ne Schippe draufzulegen weil der große geistliche „Durchbruch “ jetzt wirklich kurz bevorsteht, bis hin zu leeren, schmalen, schalen Texten und Musikstilen die einen einfach nur anöden.
    Ich glaube das viele Texte in der Worshipmusik deshalb so langweilig sind weil sie einfach zu abstrakt und abstrus sind. Sie erzählen keine Geschichten aus dem richtigen Leben.
    Wie soll man sich das zum Beispiel vorstellen „Gott zu erheben“ und „ihm (Gott) die Ehre zu geben“?!?
    Oder was bedeutet es konkret wenn man singt „das ihm (Gott) allein das Lob gebührt ?!?!? “
    Das ist alles weit unter dem Niveau von einem Bob Dylan,Bruce Springsteen oder Bono…
    Und einige von deren Songs haben mehr positives bewegt als so mancher Worship Song.
    Ich habe den Eindruck das es nur sehr wenige Poeten in der Worship Szene gibt.
    Früher(und heute auch noch!!!) habe ich gerne christliche Rockmusik von Petra, Whiteheart oder Idle Cure oä gehört… Das war Rockmusik die noch erzählte, nicht die Textphrasen immer wiederholte….

  11. Hello ihr zwei,
    Danke für den hammer Talk!!! Ich finde ihr seid sehr bedacht an das Thema rangegangen und ich teile euer Argwöhnen mit manchen Formen des Lobpreises sehr. Auch wenn heute bestimmt einiges anders ist muss ich leider aus Erfahrung sagen, dass sich zu euren Erzählungen von früher in manchen Gemeinden nicht so viel verändert hat. Ich war vor nicht all zu langer Zeit noch Teil einer Lobpreisband einer aufstrebenden & hippen Freikirche, wo schon gewünscht war, dass vorne auf der Bühne gelächelt wird und egal wie mensch sich fühlt im Lobpreis aufgestanden, geklatsch und am Besten gehüpft werden sollte. Wenns einem nicht gut geht, wär das ja nicht so wichtig, weil es Gott ja gut geht… und natürlich wurden nur ein sehr enges Reportire von Praise&Worship Lieder gespielt die dem „evangelikalen Mainstream“ eben entsprechen. Sämtlich anderen Liedvorschläge wurden abgelehnt.
    Also wir sind nicht überall weiter als vor 20 Jahren…. zumindest noch nicht.

  12. Hello ihr zwei,
    Danke für den klasse Talk!!!
    Leider muss ich aus meiner Erfahrung sagen, dass sich in manchen Settings nicht so viel zu dem veränderten hat was ihr von vor 20 Jahren erzählt hab, kam mir alles sehr aktuell vor.
    Ich war vor nicht allzulanger Zeit noch Teil einer Lobpreisband einer hippe Gemeindegründung, wo schon gewünscht war, dass mensch auf der Bühne lächelt und als Mitarbeiter im Publikum beim Lobpreis aufsteht, klatscht und am Besten hüpft – es sei ja auch nicht so wichtig wie es einem geht, denn Gott geht es ja schließlich auch gut. Auch das Liedrepetorie hat sich stark auf den „evangelikalen Mainstream“ reduziert und sämtliche andere Vorschläge hatten keine Chance…

  13. Ich denke das „Worshipen“ ist in vielen Gemeinden inzwischen zu einem Ritual geworden. So wie es in lutherischen Landeskirchen einen Introitus gibt, und Teile bei denen man aufsteht wie z.B. beim Glaubensbekenntnis.
    Ich habe als Gast in einer freien Gemeinde mal erlebt, dass gesagt wurde, dass man bei dem Worship- Teil gerne aufstehen kann wenn man möchte- ich habe nicht gemocht und war am Ende die Einzige die sitzengeblieben ist und da war mir nicht wohl in meiner Haut.
    Eine gewisse äußere Form zu wahren ist für mich nicht das Problem- aber das war für mich eher Gruppenzwang und da reagiere ich dann schon mal passiv aggressiv 😁

    1. Ja, das erinnert mich an einen Besuch in einer Pfingstgemeinde, wo ich beim Lobpreis ebenfalls sitzengeblieben bin. Alle um mich herum die Arme hoch in der Luft. Irgendwann hat die Stuhlnachbarin mich gefragt, ob ich denn auch Christ sei?
      Das hat mich natürlich bei der Ehre gepackt. Bis heute habe ich immer noch ganz blutleere Arme, weil ich bis zur Verabschiedung am Ausgang die Hände nicht mehr runtergenommen habe 🙂

  14. Hallo Jay, hallo Gofi

    Was für ein Talk! Ihr habt mir so aus der Seele gesprochen (was ihr eigentlich immer wieder tut). Ich fühle mich seit einiger Zeit in christlichen Kreisen „ausgegrenzt“, weil ich viele Dinge nicht mehr gleich sehe und auch weil für mich Worship-Zeiten eher eine Qual geworden sind. Aber ich konnte bis heute die unguten Gefühle beim Worship nicht wirklich beim Namen nennen. Ihr habt es für mich getan, vielen Dank!

  15. Danke, danke für den tröstenden Talk.
    Kurze Story.
    Letztes Jahr, ich hielt eine Andacht im Kolleginnen und Kollegenkreis (Kontext, christliche Grundschule in privater, eher konservativer Trägerschaft) Mein Thema war damals euer aktuelles Talk-Thema. Meine Probleme mit dem Lobpreis, all den von euch genannten Punkten, war eher eine depressive Andacht, ich geb´s ja zu. Betretende Gesichter. Wieder das Gefühl, irgendwie bin ich, glaube, fühle, denke ich wohl falsch.
    Eine Kollegin kam anschließend auf mich zu und äußerte ihre Verletzung, da sie sich angegriffen fühlte. War nicht meine Absicht, hab nur ehrlich von dem gesprochen, was ich nicht mehr sprechen und nachsingen möchte.
    Eine andere Kollegin gab mir folgenden Tipp, schau mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=pzqaITA3IO0
    Ja, genau, das ist es! Volltreffer! Wunderbar. Lacht nicht jede und jeder drüber, dennoch, Kunst darf und muss das.
    Darum schließe ich wieder mit meinem Dank, danke für eure Nähe in Herz und Kopf, ihr seid meine Sommerrettung und ich nehme euch im Ohr mit an den Strand nächste Woche …

  16. Hallo
    Ich habe bis vor Corona sehr gerne im Lobpreisteam mitgemacht, weil ich einfach es mag, mit anderen gemeinsam Lieder zu spielen und manche ja auch echt gut sind. Allerdings hatte ich immer wieder meine Bedenken bei den Texten und hab die dann auch so geäußert. Aber die Frage „Kannst du das wirklich so singen und fühlen?“ kam leider nicht gut an. Die standartisierte Antwort „Ich singe das in der Hoffnung, es irgendwann zu fühlen“. Naja, aber Jesus wird die mein ganzes Leben sein, wenn ich Mann, Job, Freunde und vielleicht eines Tages Kinder habe. Da kommen ja auch andere Sorgen vor, zu denen Jesus keine Antworten hat und er schon gar nicht die Antwort darauf ist. 😉
    Ich kenne leider nur wenig wirklich ehrliche Songs. Danke für eure Tipps hier!!! 🙂
    Werde ich mal reinhören.
    Jojo Zwingelberg hat bei der „Balkenplantage“ eine Kategorie „War-Ship“, in der die schrecklichsten Texte gezeigt werden. Die kannte ich zum Glück großteils nicht.
    Sehr empfehlenswerter Podcast für alle, die von christlichen Gemeinden und/oder ihrer Prägung traumatisiert sind.

  17. Hey Gofi und Jay!

    Euer Talk war mega! Endlich weiß ich, was mit mir nicht stimmt: Ich bin wohl doch ganz ok, mag halt nur keinen Lobpreis. Lobpreis war der Grund, warum ich als junge Erwachsene mega deprimiert aus allen Gottesdiensten rausgegangen bin und dann für 10 Jahre gar nicht mehr hingegangen bin. Ich hab die Texte einfach in ihrer Absolutheit nicht mehr geglaubt („du heilst alle Wunden“) und das Unterwürfige mag ich generell nicht so, ich kommuniziere lieber auf Augenhöhe.
    Jetzt gehe ich in die Landeskirche und singe ich nur noch geistliche Lieder aus dem alten dicken Gesangbuch mit („Wer nur den lieben Gott lässt walten“, am liebsten alle 7 Strophen!). Beim letzten Gottesdienst mit Worship-Musik war ich über die Corona-Maskenpflicht zum erstenmal richtig dankbar: niemand konnte sehen, dass ich die allermeisten Lieder (denn nicht alle sind mies) nicht mitgesungen habe. Es war herrlich, sich dabei so unbeobachtet zu fühlen und somit frei von unguten Gedanken („mit mir stimmt was nicht“) zu sein und mehr bei sich selbst – und somit vielleicht auch bei Gott zu sein.
    Es tut gut, zu hören und zu lesen, dass es vielen ähnlich geht.
    Und Jay: vielen dank für dein autoritäres: „Gott will ganz oder gar nicht IST EINE LÜGE! Es ist besser Gott ein bisschen zu lieben als gar nicht!“ Das war therapeutisch.

  18. Hallo, ihr beiden, ihr habt mir in sooo vielen Aspekten zum Lobpreis aus der Seele gesprochen! Und das hat mir sehr gut getan, denn bisher habe ich noch nicht viele Menschen gefunden, die meine Einwände verstehen oder wenigstens mal anhören. Das liegt sicher daran, dass die meisten in dieser durch die Lieder aufgebauten Stimmung so gerne schwelgen, dass sie Einwände eher als Spiel verderbend empfinden und ungestört weiter schwelgen wollen. Zu euren Punkten möchte ich noch drei hinzufügen:
    1. Ihr habt ja schon beschrieben, dass da eine ziemlich unrealistische Art von Hingebung an Gott oft besungen wird. (Ich habe zB auch oft echt überlegt, ob ich das wirklich so singen kann: „Du bist ALLES für mich“, und dann dachte ich an meine geliebten Menschen und musste ehrlich vor Gott zugeben, dass das wohl nur in bestimmten Lebensaspekten zutrifft) )Ich habe den Eindruck, dass das dazu führt, dass viele in meiner Gemeinde einen gewissen Mangel bei sich empfinden, vielleicht, weil sie unbewusst merken, dass da das besungene Ideal und ihre Realität auseinander klaffen. Und dann denken sie wieder erst recht, sie brauchen „mehr von Jesus“ und versuchen, beim nächsten Mal noch inbrünstiger und hingebungsvoller mitzusingen, um endlich dem Anspruch zu genügen. Eine ungesunde Spirale nach unten, denn so jemand, der im Glauben nur Mangel empfindet, kreist immer weiter nur um sich und will sich von Gott „füllen“ lassen
    2. Wenn Lobpreis die einzigen Gemeindelieder in einem Gottesdienst sind, ist das wirklich eine Reduktion des Glaubens auf „Mein Gott und ich“. Manchmal wird sogar das Verhältnis zwischen Gott und Mensch verdreht- Ich kenne ein Lied, da heißt es: „und du jubelst über mich“- ein deutliches Beispiel für eure Vermutung, dass es eher auf Stimmungstransport als auf Inhalt ankommt…. Sicher hat Gott hoffentlich auch ab und zu Grund zur Freude an uns- aber pauschal kann man das vielleicht nicht behaupten (wir bereiten ihm sicher auch die/ den eine(n) oder andere(n) Sorge oder Ärger), und dann sogar Jubel ? Ich denke, den sollten wohl eher wir ihm bringen…
    3. Wenn es im Gottesdienst zu einem beachtlichen Anteil um gute Stimmung geht- dann habe ich dort den gleichen Effekt wie im Fußballstadion , so dass ich bezweifle, dass die guten Gefühle im Gottesdienst einen anderen Ursprung haben als beim Fußball . Wenn es der gleiche Effekt ist, hat das mit Gottesbeziehung vielleicht gar nicht so viel zu tun wie es sich anfühlt…. und zweitens werden alle Menschen, die trauern oder aus anderen Gründen eben gerade nicht in der Stimmung zu guter Stimmung sind und Trost suchen, ausgeschlossen…. Aber das habt ihr ja schon gesagt. Das heißt, eigentlich überlegt man es sich vielleicht zweimal, ob man in den Gottesdienst kommt, wenn man nicht gerade in Feierlaune ist…..
    Noch mal danke für den Talk, höre euch immer wieder gerne zu! Liebe Grüße, Kirsten 🙋‍♀️

  19. Danke für den Talk, der war sehr inspirierend, und in Vielem traft ihr mein Empfinden.
    Zum Thema „welchen Gott beten wir an?“ hatte ich mal einen Text etwas abgeändert, ihr kennt das Lied bestimmt, in Klammern meine Version:

    Open the eyes of my heart, Lord, I want to see You
    To see You high and lifted up (To see You living down on earth)
    Shinin‘ in the light of Your glory (Being the least of our brothers)
    Pour out Your power and love
    As we sing holy, holy, holy (As we sing mercy, mercy, mercy)

    Dies als kleiner Beitrag, Herzlich, Matthias

  20. Danke für die interessant Episode, deckt sich auch zum großen Teil mit meinen Überlegungen. Zu Jays Aussage, man könnte auch „Bla bla bla“ oder hebräische Silben singen: das passiert ja schon: „Lei lei lei lei“ in dem Klassiker „Es ist vollbracht, er hat den Sieg!“.
    Ansonsten wird ja auch viel englisch gesungen, da fällt deutschen MuttersprachlerInnen schon weniger auf, ob der Text Sinn ergibt. Ich habe den Verdacht, dass manche Musiker mit Nonsense spielen und versuchen zu trollen. Dann ergibt plötzlich vieles Sinn: Beispiel: die Bridge in „All who are thirsty“ von Brenton Brown. Da wird ganz oft die Zeile wiederholt „As deep cries out to deep“, ohne dass irgendjemand weiß, was das bedeutet. Bethel hat das weitergeführt und die Zeile zum Liedtitel gemacht. Der Autor wurde gefragt was das bedeuten soll und gesagt, dass er es selber nicht weiß. Ist halt „prophetisch“ 😉

    1. Hi Tom, „as deep cries out to deep“ ist ein Zitat aus Psalm 42, also eher was poetisches als was prophetisches 😉 Ich habe es schon oft erlebt, dass sich etwas, das ich auf den ersten Blick als Phrase oder Nonsense in einem Worship-Song ausgemacht habe, als Bibelzitat entpuppt hat.
      Zum Talk: Das schöne ist, dass Gott das Herz sieht und sogar versteht, was wir meinen, wenn wir in völlig unbekannten Sprachen sprechen oder singen. Deshalb finde ich es nicht so wild, wenn mal was theologisch nicht so ausgereift oder einseitig ist. Ein Lobpreis-Song oder auch eine Lobpreis-Zeit muss für mich nicht immer das komplette Glaubensleben in allen Facetten korrekt darstellen, genauso wenig wie Lobpreis-machen alles ist, was mein Glaubensleben ausmacht. Ein Lobpreis-Song ist für mich immer eine Momentaufnahme des Autors oder der Autorin, ich kann mich darin wiederfinden oder auch nicht.
      Ich finde es wichtig, dass ein Gottesdienst aus mehreren ausgewogenen Elementen besteht, sodass viele die Chance haben, teilzuhaben Für Gäste finde ich es hilfreich, wenn die Band zwischendurch mal ein Wort darüber verliert, was sie da überhaupt machen oder warum sie einen Song ausgesucht haben oder berührend finden oder… dann hat man vielleicht nicht so sehr das Gefühl, bei einem Ritual nur für Eingeweihte zuzuschauen.
      Die Lobpreiszeit ist meiner Meinung nach aber tatsächlich dafür da, sich Zeit für Begegnung mit Gott zu nehmen, also gesungenes Gebet, in dem alles vorkommen darf, was uns gerade so beschäftigt und ausmacht. Deshalb finde ich es nicht so problematisch, wenn auch bewusst eine Atmospähre aufgebaut wird, in der man sich gut öffnen kann. Ich befürworte aber sehr, das auf musikalisch abwechslungsreiche und authentische Weise zu tun, und nicht einfach zu kopieren was woanders „gut funktioniert“ (Ich bin auch kein großer Fan vom Mainstream-Worship.)
      Aber die Lobpreiszeit ist auch dafür da , uns gegenseitig aufzuerbauen („ermuntert einander mit Psalmen“). Und ich finde, es liegt nicht allein in der Verantwortung der Band, immer alle abzuholen, sondern auch die Mit-Worshippenden können zwischendurch mal die Arme runter nehmen und Augen auf machen und mal schauen, wie es dem Nebenmenschen so geht oder ob er oder sie gerade etwas anderes braucht. Dann kann es wirklich eine auferbauende Zeit miteinander sein.
      Die biblischen Psalmen, also quasi der Ur-Worship, sind übrigens theologisch auch nicht so abwechslungsreich. Da geht es auch viel um „mir geht es so schlecht“ und „du bist groß und ich bin klein“. …Und natürlich um „bitte vernichte meine Feinde.“ Möglicherweise ist also sogar die eigene Wut ein legitimer Teil vom Lobpreis. Aber da will ich mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. 😀

  21. Hallo liebe Hossa‘s,

    jahrelang war ich in einer Freikirche und über 20 Jahre lang Lobpreisleiter. Wir haben Latin Weihnachten und Choräle als Reggae gespielt.
    Manche der alten Hardliner fanden das leider gar nicht gut um es mal positiv auszudrücken. Die Bude war aber oft voll.
    Nach meiner Dekonstruktion 2009 (eine lange nicht schöne Geschichte über Machtmissbrauch und Widersprüchen wie ich sie aus der bösen „Welt“ so nicht kenne) habe und konnte ich keine Anbetungslieder mehr spielen geschweige denn singen.
    Ich bin seit dem kein Mitglied irgend einer Kirche
    und war auch schon lange in keiner mehr. Das wird wohl so bleiben.
    Über Hossa-Talk arbeite ich gerade viele Dinge auf
    und das ist gut so. Vielen Dank.

    Zum Thema Lobpreis habe ich seit dem nur einen Song gefunden der mich angesprochen hat. Den wollte ich euch nicht vorenthalten.

    Hans Söllner, loben und preisen:

    https://youtu.be/iS_masia2E4

    Kann natürlich sein dass man den Text nördlich der Weißwurstgrenze nicht versteht. Dann einfach zweimal hören.

    Gruß
    Reinhold

  22. Danke für die Anstöße aus dem Hossa-Talk! Die Schmalspurigkeit, die Ichbezogenheit, die Unterwürfigkeit, diese Kritikpunkte kann ich nachvollziehen. Aber im Grunde genommen habe ich damit kein Problem. Ja, es ist ein kleiner Aspekt des Glaubens, aber warum soll man diesen nicht an einem Tag in der Woche (oder seltener) mal betonen?

    Mein Problem ist eher, dass ich total Probleme habe, in diese Stimmung zu kommen (nur weil Sonntag ist). Mein Eindruck ist inzwischen, dass dieselben Menschen, denen das auf Anhieb (so scheint es) gelingt, dieselben sind, bei denen Massenhypnose funktioniert. Es ist halt ein bestimmter Menschentyp (sehr empathisch, einfühlsam, emotional – das ist ganz neutral gemeint). Ich bräuchte mindestens 30 Minuten gut gemachter Andacht/Theater/Poesie und Meditation um in diese Stimmung zu kommen.

    Meine besten Worship-Erfahrungen hatte ich in einer Lebensphase, in der ich mir meine eigene Playlist zusammengestellt habe und auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit gehört habe. Wie oft habe ich Tränen der Rührung und Verzückung auf den Straßen Berlins geweint! In Gottesdiensten ist mir das nur ganz selten passiert.

    Mein Fazit: es ist sehr schwierig, eine Masse von Menschen in die gleiche Stimmung zu bringen, da gehen immer welche unter. Also setzt man auf das, was am eingängigsten ist. War schon immer so, siehe Schlager, Volksmusik, Popmusik. Schmeckt vielen, aber nicht jedem/r.

    Mit dem erotischen Element habe ich null Probleme, habe ich noch nie so interpretiert. Geräusche beim Sex sind auch oft nicht von denen durch Schmerz unterscheidbar. Hingabe und Erotik sind ebenso nah verwandt. Ist halt so, daraus kann man m. E. keinen Vorwurf machen.

  23. Super Folge, ich konnte mich absolut wieder finden und bin froh zu hören, dass es nicht nur mir so geht.

  24. Lobpreis! Der Hossa – Talk 172 hat mich wieder einmal nachdenklich gemacht…

    Was mir in den 70ern, als ich zum Glauben an Jesus Christus finden durfte, im Bezug auf die Musik gefiel, war die Vielfalt!

    Es gab Choräle, die man schon immer gesungen hatte, den Kanon oder die Bachkantate, Evangeliumslieder, die – etwas in die Jahre gekommen – aber doch in eingängigen Melodien persönliche Glaubenserfahrungen, mit denen man sich identifizieren konnte, ausdrückten.

    Da waren „Chorusse“, oft Refrains von Evangeliumsliedern, die spontan im Gottesdienst angestimmt wurden.

    Es gab vertonte Bibelverse – z.B. in dem Songbuch „Das Wort im Lied“.

    Kennt ihr noch „Songs junger Christen“? Kennt ihr noch Vortragslieder und Chorgesang (z.B. aus dem „guten, alten“ Scharnowski)?

    Und dann war da „Jugend mit einer Mission“ mit ihren Lieder und Büchern: „Lehre uns Herr“, „Das gute Land“, „Lied des Lebens“ etc. – wie haben wir diese Songs geliebt, die sogar das Tanzen im Gottesdienst salonfähig machten, das vorher „Sünde“ war – es handelte sich ja um „biblischen Reigen“!

    Hinzu kamen die Liederbücher der jeweiligen Denomination – in meinem Fall der „Pfingstjubel“. Die in Gedichtform gebrachten und vertonten Glaubenserfahrungen mit Jesus, dem Heiland, der Heiligung als Nachfolge Jesu oder besonders auch der Taufe im Heiligen Geist waren für mich extrem wichtig – noch heute kann ich unzählige Pfingstjubellieder auswendig singen und beten: ein kaum zu ermessender Glaubensreichtum!

    Mit unseren Kindern haben wir in den 80er und 90er Jahren jedes Jahr den gesamten Pfingstjubel (über 600 Lieder!) in unseren abendlichen Familienandachten von vorne bis hinten durchgesungen (ich gebe zu, dass die Kids nicht immer begeistert waren…).

    Wenn ich heute etwa ältere, kranke Gemeindemitglieder besuche, können wir immer gemeinsam diese alten Texte beten oder auch singen – auch auf Beerdigungen von Gemeindemitgliedern ist es ein starkes Zeugnis und Bekenntnis. Gerade erlebt: Wie berührend war es, als bei einer Trauerfeier Lieder wie „Ich bin durch die Welt gegangen“ und „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“ von gut 50 – 60 Personen im Freien voller Freude gesungen wurden!

    Meistens wird auf Beerdigungen ja gar nicht mehr gesungen und das Evangelium im Lied verkündet (ich habe meist bis zu 30 Trauerfeiern im Jahr abgehalten und weiß daher, wovon ich rede)!

    Dann waren da die Songs etwa von Arno & Andreas und später von Nimm 2 / Superzwei – durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem Glauben und dem Leben (wir haben sie gerne in der Jugendgruppe gesungen!). Es gab Protestsongs und Gospels. Es entstand eine Vielzahl von christlichen Rockgruppen – eine tolle Alternative für uns trocken und clean gewordene Ex – Hippies!

    Es gab eine Vielfalt von Instrumenten – ein Feuerwerk an Kreativität! Schon mal mit Streichpsalter, Akkordeon, Maultrommel, Bongos, Saxophon, Violine, Zugposaune Mandoline usw. Lobpreis gemacht? Diesen Reichtum an Liedgut, Musikstilen, Instrumenten, Ausdrucksmöglichkeit vermisse ich heute im Gemeindekontext (BFP) sehr!

    Ich sehe unsere moderne „Lobpreiskultur“ an sich nicht als negativ an (eher als einseitig). Zu unserer Gemeinde in Bremen finden ständig neue, oft kirchenfremde Leute zum Glauben an Jesus. Auf die Frage: „Was hat dich berührt, was hat dich auf den Glauben hin am meisten angesprochen?“ ist eine der häufigsten Antworten: „Der Lobpreis“.

    Der Gedanke, dass es zwischen moderner Lobpreismusik und erotischen Gefühlen und Gedanken eine innere Verbindung und Nähe gibt (wie von Gofi angedacht), ist mir nie gekommen.

    Stil und besungene Themenfelder der modernen Lobpreismusik halte auch ich für einseitig und für eine starke Verengung – wo ist die Klage, der Protest, die Selbstkritik, der Humor, die Experimentierfreudigkeit? Verengung und Einseitigkeit zahlen sich auf Dauer nie aus – und sie spiegeln auch nicht das Wesen unseres absolut kreativen und pluralen Gottes wider!

    Welche Lieder singen wir, unsere Kinder und Kindeskinder miteinander, wenn wir alt und schwach geworden sind? Auswendig gelernte Choräle und Bibelabschnitte als jahrhundertealtes und konfessionsübergreifendes Gut der christlichen Kirchen sind ein nicht zu ersetzender Schatz!

    Was vergeben wir uns, wenn wir „nur“ auf „zeitgemäßen“ Lobpreis setzen und die Tiefe und den Reichtum der Musik in seiner ganzen Fülle vernachlässigen? Wenn wir keinen Bezug mehr haben zu diesem immensen Schatz der christlichen Kirche durch die Zeiten?

    Natürlich war nicht immer alles, was ich in den vergangenen 46 Jahren als aktiver Christ gesungen und gehört habe, gleichzeitig präsent. Es gab in jeder Zeit Vorlieben und auch einseitige Betonungen. Aber insgesamt – und da bin ich sicher – gab es mehr Vielfalt und weniger Uniformität!

  25. Hallo!
    Das Thema an sich ist mir nicht neu, aber ich fand interessant, eure Beobachtungen dazu zu hören. Lobpreis ist eine Geschmacksache, denke ich, für die man allerdings bezahlt:
    – Lobpreis ist eine Art Gebet und ich finde es schade, wenn man nur singt, um zu beten. Singen ist so schön zusammen mit anderen und wenn es nur Gebet ist, dann muss es immer irgendwie ernsthaft sein. Dabei gibt es auch Lieder, die man singt, weil sie schön sind und Spaß machen. Auch christlich 🙂 d.h. auch: Lobpreis als „gemeinschaftliche Individualerfahrung“ ersetzt Singen als Gemeinschaftserfahrung. Schade!
    – Das wurde schon mehrfach angesprochen: Wenn Gott primär als Majestät/ König/ etc. besungen wird, dann fällt das heraus, was ich viel viel viel bedeutender finde: Gott als schwaches Kind, Gott als zugewandter Mensch etc. ; Wenn nur das Kreuz besungen wird, dann wird der Lebenswandel (das Himmelreich Gottes) nicht angesprochen.
    – Lobpreis ist oft stark zentral und „undemokratisch“ (nicht nur wegen der monarchistischen Vokabeln), weil er von vorne vorgegeben wird, oft sogar in Kleingruppen. Das ist schade und ergibt genau das Problem, dass sich Menschen ausgeschlossen fühlen. Das liegt nicht nur an den Liedtexten, sondern teilweise auch an der fehlenden Mitbestimmung, welche Lieder gesungen werden (v.a. in Kleingruppen). Bzw. könnte durch Mitbestimmung eine Art Ausgleich gefunden werden, der vielleicht bei einem anderen Liedgenre nicht so nötig wäre.

  26. Mal ein bisschen wegbeamen finde ich in manchen Situationen gar nicht so schlecht. Gerade, wenns einem richtig schlecht geht, ist das manchmal die letzte Rettung. Mit seinem Schmerz in den inneren Raum der Liebe einzutreten, dort Gott zu begegnen und sich von ihm beschenken zu lassen!!! Die Texte rauschen manchmal dann auch an einem vorbei, und die schwierigen Texte kommen nicht an. Hat etwas mit guter Hypnose zu tun.
    Fällt mir aber auch viel schwerer, seit dem ich mir die Texte genauer anschaue….

  27. Danke für das interessante Gespräch! Für mich ging eure Kritik nicht weit genug. Vermutlich liegt es daran, dass der Lobpreis für mich, seit dem ich meinen Glauben dekonstruiere, gestorben ist. Aber vielleicht ändert sich das ja noch…
    Was die Unterwürfigkeit angeht, ich habe mal einen Podcast von Krispin Mayfield einem Psychotherapeuten und einer Kollegin von ihm (attached to the invisible) gehört, wo sie einige Worship Songs unter dem Aspekt der Bindungstheorie analysiert haben. Sie sagten, viele Texte wie z.B. Komm Herr Jesus, komm Heiliger Geist, ich brauche dich u.ä., die ständig wiederholt werden, wo Gott um seine Gegenwart angebettelt wird, auf eine unsichere oder ängstliche Bindung hindeuten. So gesehen, war das eine gesunde Reaktion von der Person, die sich bei „Unterwürfigkeit“ unwohl gefühlt hat.
    Ich habe Schwierigkeiten mit einigen Bildern in den Texten wie z.B. der Löwe und das Lamm. Es werden T-shirts und Bilder mit Llwen drauf verkauft, im Gebetshaus Augsburg hängen 3-D Löwenköpfe. Ich frage mich, warum nicht Lämmer. Ein Bild vom Lamm ist so uncool. Ich sehe darin einen Ausdruck der Sehnsucht nach einer starken Führung. In den USA hat es dazu geführt, dass Trump als Präsident von den meisten Evangelikalen gewählt wurde. .. Auch mit dem Bild eines Königs kann ich wenig anfangen. Ich habe noch nie in einer Monarchie gelebt und weiss nicht, was es bedeutet. Was ich allerdings erst vor paar Monaten (nach 25 Jahre Christsein!) erfahren habe, ist, dass die Bezeichnung König der Könige oder Herr der Herren, die sich nicht auf den röm. Kaiser bezog, als Staatsverrat angesehen wurde und die Todesstrafe nach sich gezogen hat.
    Auch dieser Anspruch, Gott in allen Umständen zu loben, halte ich für unmenschlich. „Meine Oma ist gestorben. Halleluja!“ Es geht ihr ja besser bei Gott. Ich übertreibe, aber so hört es sich für mich an, wenn ich höre „even when it hurts like hell I praise you“. Diese Aussage wird meiner Meinung nach der menschlichen Natur nicht gerecht. Unsere Psyche ist doch gar nicht in der Lage, diesen Spagat zu machen…
    So gesehen, ist es richtig, was ihr sagt, man muss einiges reflektieren und hinterfragen.
    Danke nochmal für das, was ihr tut!

  28. Eine kleine, zwinkernde Ergänzung zum Talk; sicher vielen schon bekannt :
    das YouTube-Video „How to Write a Worship Song in 5 Minutes“ von Blimey Cow (https://youtu.be/GhYuA0Cz8ls). Fasst eine ganze Generation von Lobpreisliedern ziemlich gut zusammen, finde ich.
    Danke für den Talk, ihr zwei!

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