26 thoughts on “#133 Pastor, Pfingstler, trockener Alkoholiker

  1. Ich habe den Talk gerade während meines Waldspaziergangs gehört. Was jetzt kommt, hat wenig mit dem Inhalt zu tun, aber Folgendes ist mir dabei passiert. Vor mir steht eine Bank, die von der untergehenden Sonne wie von einem roten Scheinwerfer durch eine Lücke in den Baumwipfeln hindurch angestrahlt wird. Alles um mich herum ist also bereits dämmerlich dunkel, nur die Bank leuchtet in Rot. Da ich irgendwie das Gefühl habe, das Gott hier und jetzt mit mir reden will, setze ich mich auf die Bank und lasse mich anleuchten. Ich schließe die Augen und bete sowas wie, Gott, ich will jetzt schweigen, damit du reden kannst! Dann meditiere ich etwas die Stille und als ich die Augen aufmache – bemerke ich erst jetzt, dass irgendjemand einen riesengroßen Penis in den Baum direkt vor mir eingeritzt hat. Das war dann doch etwas ernüchternd, aber dann schaue ich nach rechts und sehe einen Brief, der, mit einem Nagel befestigt, an einem anderen Baum hängt. Ich reiße in, jetzt doch tatsächlich etwas aufgeregt, ab – und da steht irgendein Geschwurbel, von wegen, dass die Natur alles ist und alles eins ist und so weiter. (In meinen Worten klingt das jetzt sogar klug, aber was da stand, war Quatsch mit Soße). Mein Fazit: Manchmal sollte man gar nicht erst damit anfangen, die Dinge interpretieren zu wollen. Ich denke, wenn ich Gottes Reden ernst nehmen will, muss ich auch weiterhin sein Schweigen ertragen.

    Ansonsten ein toller Talk und ein lebendiges Beispiel dafür, dass Glaube im Kern kein Dogma, sondern ein Beziehungsgeschehen ist.

      1. Wenn wir seinerzeit mit unseren drei Teenagerkindern in der Familienandacht den “Frommen Chaoten” oder den “Lowpricelighter” gelesen haben, war der Abend für alle gerettet… 😉

    1. Hallo Alexander,
      danke für die Story – die ungefähr das spiegelt, was mir immer wieder passiert ist, als ich solche vermeintlich “lichten Momente” hatte, in denen ich meinte, jetzt würde Gott zu mir reden können/sollen und dann entweder etwas Skurriles passiert ist oder ich so ein Allerweltspalaver zur “Antwort” bekam.
      Danke auch für dein Fazit. Das ist für mich erleichternd und hat mir sehr geholfen.
      Katja

      1. Hi Katja,
        dann bin ich damit nicht allein, das ist gut 🙂 Früher dachte ich immer, dass die Leute, die sowas sagen wie „Da ist mir Gott begegnet“ oder „Da hat Gott zu mir geredet“, mir in ihrer Gottesbeziehung um Meilen voraus sind. Darauf war ich aber nicht neidisch, sondern, ganz im Gegenteil, das hat mich erleichtert, da ich dachte, dass es dann ja für mich noch einiges zu entdecken gibt. Heute habe ich den Verdacht / die Angst, dass die Leute einfach nur ein anderes Vokabular benutzen als ich.

        Beziehungsweise war ich in Schule und Studium immer der, der nach Prüfungen davon ausgegangen ist, auf jeden Fall schlecht abgeschnitten zu haben, was, zumindest im Studium, aber überhaupt nicht der Fall war. Ich nehme zur Kenntnis, dass Menschen, die sich selbst gegenüber weniger skeptisch sind, auch vermeintlichen Gotteserfahrungen gegenüber weniger skeptisch sind – und dann sind es für mich halt Lichtreflexionen, wo andere Engel sehen.
        Trotzdem bin ich natürlich selbstkritisch genug, um nicht den Fehler zu machen, mein Welt- und Gottesbild nach 39 Lebensjahren für abgeschlossen zu erklären. Und somit will ich nicht ausschließen, dass Gott mir irgendwann einmal mit einer Evidenz begegnet, die ich nur ihm zuschreiben kann – was auch immer das bedeutet.

        Das generelle Problem, finde ich, welches sowohl das Leben als auch das Sterben schwermacht, ist, dass man niemals 100% Gründe für Gott (oder eine Gotteserfahrung) hat, sondern, dass immer Gründe dafür und dagegen sprechen – und doch verlangt einem das Leben ab, sich zu 100% zu entscheiden.

        LG Alexander

        1. Lieber Alexander,

          ich verstehe Dich auch!!!
          Ich musste so laut lachen, als ich Deine Wald-Story gelesen haben, dass mein Umfeld mich fragte, was ich da gerade auf dem Smartphone mache! – Gelacht habe ich aber nur, weil Du locker-flockig ein tiefes Mysterium des Christentums knackig auf den Punkt gebracht hast. 😉

          Ja, ich gebe Dir recht (und habe das immer mal wieder hier gesagt), dass es auch eine Prägung (der Theologie und folglich der Wahrnehmung und der Sprache) ist, ob man sagt “da hat Gott das und das getan”. Als liberale Christin war ich z.B. immer gewohnt, so etwas nicht zu denken und zu sagen (s.u. mein Kommentar an Uli). Inzwischen traue ich Gott mehr zu, aber “Beweise” gibt es natürlich nicht.

          Ich glaube, es gibt “nur” ein Berührt-Werden. Bei manchen, indem sie reinwachsen, bei anderen durch ein einschneidendes Erlebnis, das sie noch Jahre später erinnern (aber selbst da kann ein Atheist sagen, dass es dafür gute rational Gründe gibt… und ich würde dazu immerhin sagen, dass man die eigenen Gefühle nicht mit Gott verwechseln sollte, denn es kann auch einfach eine Temperamentsfrage sein…).

          Und denk außerdem mal dran, dass man als moderner frommer Mensch gar nicht unbedingt mit den biblischen Personen tauschen will, die eine überwältigende Gotteserfahrung gemacht haben. Jakob hat zwar die Himmelsleiter gesehen, war aber auch nachhaltig körperlich ramponiert…

          Letztlich kommt es darauf an, hinter Gott herzulatschen und ihm zu vertrauen. Glaube meint Vertrauen in meiner Sicht. Da gibt es keine große Entscheidung, mach Dich nicht verrückt! (Ich bin ja ziemlich von Luther beeinflusst: Jesus hat Dich erwählt, nicht Du ihn! Das ist doch total entlastend! Und wenn Du zweifelst, pack ihn bei seinen Zusagen!)

          Klar gibt es immer wieder Entscheidungen, dran zu bleiben, auch wenn es gerade frustrierend ist, weil Gott zu schweigen scheint. Dann entscheidet man sich für’s “Trotzdem”. Ist aber was anderes als die “eine große Entscheidung zu 100% und dann muss es laufen”…

          Ich kenne einen, der die eine große “Erfahrung” hatte, durch die er anfing zu glauben, aber 3 bis 4 Jahre später fing “Gottes Schweigen” an (und das geht jetzt seit Jahren…) Es gibt alles mögliche. 🙂

          Johannes vom Kreuz sagt, dass wir im “Schweigen Gottes” wachsen… (Und jetzt frag mich nicht, was das konkret bedeutet! Da müsstest Du einen erfahrenen geistlichen Begleiter fragen.)

          Deshalb gibt es ja auch Gemeinschaft. Als “freie Radikale” wären wir ganz schön im Arxxx…

          My five cents. (Ich bin ja auch nicht die Super-Euphorische, wenn auch “überzeugt”…) 😉

          Liebe Grüße
          Ina

        2. Hallo Alexander,
          nein, alleine bist Du damit nicht, mit Ina sind wir schon zu dritt. Hätten wir zusammen studiert, hätten wir eine Selbsthilfegruppe gründen können. 🙂 Ich hatte auch den Eindruck, dass die weniger selbst-skeptischen Leute auch mehr “Gotteserfahrungen” machen. Im Unterschied zu Dir war ich allerdings immer neidisch auf die Leute, die so wirkmächtige Gottesbegegnungen und Bibelverseingebungen zur rechten Zeit zum rechten Thema hatten.
          Ich glaube mittlerweile auch, dass viel davon abhängt, wie man welche Phänomene bezeichnet. Was bspw. als “Wunder” gilt oder als “Gottes Hilfe” oder was, wie Ina das beschrieben hat, man einfach als nette menschliche Hilfe/Geste oder “Glück” betrachtet. Oder auch, wie fein die Sensoren eingestellt sind für das Berührtwerden vom Göttlichen. Ich habe vor Kurzem damit angefangen, mich dafür zu schulen, gerade solche faszinierenden Naturereignisse/-momente, wie Du sie mit dem Licht im Wald erlebt hast, als eine Art Begegnung mit Gott wahrzunehmen und in viel mehr kleinen Dingen um mich herum etwas zu entdecken, was mich staunen lässt und wo ich Gott in seiner Schönheit, Liebe, Güte, in seinem Geheimnis-Sein wahrnehmen kann.
          Allerdings erlebe ich tatsächlich auch immer wieder, gerade bei meinen befreundeten Charismaten, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt genau das bekommen, wofür sie gebetet hatten, dass ihnen dann ein Trostwort einfällt, wenn sie es brauchen oder sie in schwierigen Situationen jemand aus heiterem Himmel anruft, der so ein Gefühl hatte, er sollte sie jetzt anrufen usw. Ich kenne solche Erlebnisse nicht und würde sie mir wünschen. Warum funktioniert das bei manchen Menschen und bei anderen nicht?

          Was meintest du damit, dass einem das Leben abverlangt, sich zu 100% zu entscheiden?

          Katja

        3. Wer hätte gedacht, dass ein eingeritzter Penis im Baum zu solch klugen Gesprächen führt. 🙂

          @Ina
          Mit dem Perspektivenwechsel hast du natürlich Recht, in einem gewissen Sinne wäre es sogar sehr entspannend, etwas calvinistischer zu denken, so von wegen, was Gott für mich (an Gotteserfahrung) vorgesehen hat, das wir passieren und was nicht, das kann ich dann sowieso nicht erzwingen.

          Das Jakobs Hüfte die Gotteserfahrung nicht gut bekommen ist, stimmt natürlich auch, ich frage mich diesbezüglich, ob nicht viel mehr Wunder passieren würden, wenn man nicht immer nur dafür beten würde, das Gott einem etwas gibt, sondern dafür, dass er einem etwas wegnimmt.

          Dazu ein Beispiel aus Zivildienstzeiten. Ein etwas naives Beispiel, ich erzähle es trotzdem, wir sind ja unter uns. Auf einer Wochenendschulung gab es abends noch eine Filmvorführung für alle Zivis. Zu sehen gab es eine Art Horrorfilm, von dem ich wusste, dass er mir nicht gut bekommen wird. Trotzdem wollte ich ihn unbedingt sehen, der Mensch ist ambivalent. Ich hab also sowas gebetet wie, dass der Film ausgehen soll, wenn ich ihn nicht sehen soll. Gleich darauf ist er ausgegangen, irgendjemand hatte erklärt, wegen Filmriss oder so. Die haben den Film dann wieder in Gang gesetzt, woraufhin ich, um Zufall auszuschließen, nochmal gebetet habe, dass er, wenn ich ihn wirklich nicht gucken soll, bitteschön ausgehen soll. Er ist dann wieder ausgegangen und ich habe den Raum verlassen.

          Das Blöde an solchen Erfahrungen ist, dass man im Nachhinein halt auch immer seinem Glauben glauben muss. Ich glaube wirklich, dass sich das genauso abgespielt hat, aber mittlerweile sind 20 Jahre rum und ich kann mir vorstellen, die Dinge auch falsch oder zugunsten der Gotteserfahrung abgespeichert zu haben. Ich schätze, das betrifft jedes Wunder – und daher ist das natürliche Hineinwachsen in die Gottesdimension vermutlich das größere Wunder.

          @Katja
          An der Stelle geht es wahrscheinlich wirklich darum, sich selbst zu schulen, Gott in den Dingen zu sehen und die eigenen Sinne zu schärfen. Das gelingt mir am besten, wenn ich körperlich und geistig gut drauf bin, dann ist auch mein Glaube am Stärksten und alles macht Sinn. Wenn ich dagegen abgeschlagen bin, bzw. nachts wegen Schlafstörung wachliege (bei deren Überwindung Gott ehrlich gesagt bisher keine große Hilfe war), dann kommen die Zweifel. Wenn ich aber nun die Wahl habe, welchem Alexander ich glauben soll, dem glaubenden oder dem zweifelnden, dann entscheide ich mich für den glaubenden – aus dem Grund, weil ich einer optimal funktionierenden Maschine auch mehr vertraue als einer verschlissenen.

          Mit „dass man sich zu 100% entscheiden muss“ meine ich, dass man zwar viele Gründe für oder gegen mehrere Jobs oder Partner oder was auch immer hat, aber sich in der Regel für einen Job und für einen Partner oder für einen Gott entscheidet. So wie das Ehegelübte ein Bekenntnisakt ist, finde ich auch im Glauben Bekenntnisakte wie die Taufe oder das Abendmahl extrem wichtig, weil sie einem durch Rückbesinnung oder Gegenwartskonzentration dabei helfen, dieses ständige Abwägen von Gründen, das in einem abgeht, ganz praktisch zu unterbrechen.

          1. Hey Alexander,
            gut zu wissen, dass auch anderen Menschen bestimmte Filme nicht gut tun…
            Schlafstörungen…(ich fühle mit dir) – da hege ich auch den Verdacht, dass das eines der Gebetsanliegen ist, die nicht auf Gottes Gebetserhörungsliste stehen 🙁
            Bezüglich der verschlissenen Maschine und den Zweifeln glaube ich, kann das helfen, was Ina beschrieben hat: das “Trotzdem” und das Vertrauen. Mich in Gott loszulassen habe ich erst gelernt, als ich so kraftlos war, dass ich nicht einmal mehr das Gott Hinterherlatschen geschafft habe. Das war/ist erstmal eine wirklich unangenehme Erfahrung, aber mit der Zeit sehr befreiend.
            Die Idee mit der calvinistischeren Denke gefällt mir in dem Sinne, dass ich mich nicht stressen muss, wenn ich Gott anders erfahre als andere (und wenn ich den Heiligen Geist eben nicht so richtig knallen höre 😀 – @Uli: Dein Kollege Weiß is ja ein Typ – ihr passt gut zusammen!!).
            Hinsichtlich von Taufe und Abendmahl denke ich, dass da genau das symbolisch geschieht, was Ina beschrieben hat mit dem “nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch”. Das ist wirklich entspannend.

  2. Ich mag diesen Talk supergern, znd du pastor Ullli bist ein ganz lieber authentischer mensch, finde ich. Jemand von dem man gern was lernt. Aber etwas hat mich jetzt doch verwirrt. Joseph Prince. .. Ist das nicht einer der ganz, ganz reichen glamurösen TV Prediger? Immer perfekt gestylt, mit einem sonnigen Lächeln und immer auf alkes die richtige Bibelstelle?
    Was hast du denn von ihm gelernt, was dich in deinem Glauben so weiteegebracht hat?
    Liebe grüße von einer expfingstlerin, die damit nicht klarkommt, dass die Erfolgreichen doch in vielen Pfngstgemeinden sehr stark bejubelt werden. Da seh ich schon eine probkematische Entwicklung…..So ein wohlstandsding, das sich dann auf die Oberschicht konzentriert. Sind diese “Prediger Konzerne” echt so hilfreich?
    Ich freue mich über eine Antwort…. Was gerade so ein Außenseiter-freundlicher Mensch wie du daran trotzdem findet.

    1. Hallo Elbenfrau!

      Vielen Dank für Deine berechtigte Frage!

      Ich bin kein Fan von Joseph Prince – ein Fan von einem Mitchristen zu sein und ihn oder sie zu hypen, bringt nur Ärger und Enttäuschung…

      Ich bin auch kein Befürworter von einem Wohlstandsevangelium und manchen anderen schrägen Sachen, die als Wellen über die Kirche schwappen – wahrscheinlich schon so lange, wie es die Gemeinde gibt… Ich favorisiere auch nicht die sogenannte Hyper Grace.

      Ich bin oft in London – meine Heimatgemeinde dort ist eine kleine Methodistengemeinde in der Nähe der Oxford Street. Ich bin aber auch ganz gut vertraut mit der Hillsong London, auf die ich nichts kommen lasse, weil sie zwei meiner Kinder, die als junge Frauen mehrere Jahre beruflich in London gelebt haben, eine gute, sichere Anlaufstelle und Heimat geboten hat.

      Als Gemeindeleitung unserer großen Pfingstgemeinde in Bremen (hoop Kirche) fahren wir seit Jahren mit mehreren Mitarbeitenden zur Hillsong Europe Conference nach London. Hillsong gibt uns etwas Vision und Input darüber, wie man eine größere Gemeinde bauen kann. Das ist unsere Herausforderung zur Zeit mit etwa 1000 Gottesdienstbesuchern am Sonntag Morgen.

      Vor einigen Jahren war Joseph Prince einer der Sprecher auf der Konferenz in London. Ich war – ehrlich gesagt – etwas pikiert und dachte mir so: Was kann von einem sochen “Paradiesvogel” zu erwarten sein… Aber dann ging es mir so, wie ich es immer mal wieder erlebt habe: Gott hat durch die Predigt dieses Mannes zu mir gesprochen. Die Botschaft von der grenzenlosen Liebe und Gnade Gottes hat eine Verhärtung in meinem Herzen zum Schmelzen gebracht, und in der folgenden Zeit habe ich bleibend eine ganz tiefe Freude, ein Getragensein, ein Angenommensein erlebt.

      Ich nehme an, dass Jesus diesen Prediger, den ich nun gar nicht so toll fand, dazu gebraucht hat, um mein Herz zu berühren und mich einen Schritt weiter zu bringen auf meinem Weg. Das hat mich etwas beschämt, aber – wie gesagt – nicht zum ersten Mal… Und ich habe mir gedacht: Wenn Gott durch einen Esel zu Bileam sprechen kann, dann wohl auch durch einen Joseph Prince zu mir.

      Im Nachhinein habe ich mir die Frage gestellt, warum Brian Houston und sein Team Josehp Prince wohl eingeladen haben. Ich nehme an, es steckt eine ganze Protion Weisheit dahinter. Vielleicht ist es besser, die Paradiesvögel – soweit es möglich und vertretbar ist – einzubinden, anstatt sie auszugrenzen. So haben alle die Chance, Korrektur zu erfahren.

      Ich bin auch soweit gekommen, dass ich glaube, dass alle Verkündiger, die Jesus als Herrn bekennen und in der Gemeinschaft der Kirche sind und bleiben, meine Glaubensgeschwister sind. Ich muss ja nicht alles annehmen und übernehmen, was mir vorgesetzt wird. Ich will mehr und mehr unterscheiden: Tut es mir gut? Hilft es den Menschen in der Gemeinde? Fördert es einen heilsamen Glauben? Bringt es Jesus in den Vordergrund? Ist die Theologie des Kreuzes im Blickfeld? Das Urteil über den jeweiligen Prediger / Predigerin will ich lieber Gott überlassen. Der hat einfach mehr Ahnung als ich.

      In der Regel empfehle ich aber auch keinen Prediger. Ich möchte lieber die Leute in der Church empowern, in ihren eigenen Entscheidungen sicherer zu werden und möchte lieber Leute begleiten, als gute Ratschläge zu geben.

      Im Blick auf Joseph Prince habe ich nur von einer ganz subjektiven Erfahrung mit seiner Predigt in London gesprochen.

      Ist das verständlich und hilfreich?

      Liebe Grüße, Uli

      1. Hallo,
        den Talk fand ich supergenial.
        Er hatte so was Versöhnliches,, Groß- und Weitherziges…. Hat einfach richtig gut getan.
        Werden den Talk morgen im Hauskreis hören. Habe das Bedürfnis soviel Herzenswärme und Toleranz mit Anderen zu teilen😉
        LG

      2. Hallo Uli, ja, das ist hilfreich.
        Ich dachte später dann auch, Mensch, ich liebe so sehr das Buch Prediger, und es holt mich immer wieder ab, wenn mich der große weltschmerz mal wieder packt, und ich kann mir gut vorstellen, dass König Salomo genau das verkörperte, was ich an Joseph Prince zu meckern hatte.
        Ja ich kann mir vorstellen, dass die Betonung auf Gnade gerade gesetzlich belehren Christen eine komplett neue Sicht gibt und dass sich aus dieser Sicht auch eine neue Leichtigkeit für andere Themen und Lebensbereiche entwickelt und ganz viel frommen Stress rausnimmt. Das ist schon echt ein Basisthema.. Vorbilder für Juneerschaft sind mir dann wieder andere Menschen.
        Dank dir für deine Antwort.
        Liebe Grüße

  3. Ich habe heute mit meiner Tochter geskyped, die zur Zeit beruflich auf der anderen Seite der Erde unterwegs ist. Daniela hat den Talk gehört. Sie fand ihn ganz gut. Nur, dass ich fast alles Gute und alle Hilfe, die ich erlebt habe, überwiegend Jesus zugeschrieben und die Familie kaum erwähnt habe – das kam ihr doch zu einseitig vor. Recht hat sie! Ich habe meiner Frau und meinen Kindern mehr zu verdanken, als mir oft bewusst ist. Daniela hat schon immer gern den Finger in meine Wunden gelegt. Sie macht das sehr liebevoll und sehr konsequent. Daniela – Du bist eine tolle Frau!

    1. 🙂

      Wir wissen ja letztlich überhaupt nicht, wie menschliches Handeln und Handeln Gottes zusammenhängen!

      Bei mir ist es fast schon umgekehrt wie bei Dir. Ich komme aus sehr liberalen Zusammenhängen, und viele meiner Geschwister rechnen von vornherein überhaupt nicht mit Gott. So ging es mir auch lange. Dann dachte ich oft, da und da hatte ich echt “Glück” mit anderen Menschen, die mir geholfen haben. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Gott dafür zu danken.

      Jetzt schreibe ich doch einiges auch Gottes Handeln oder Wirken zu, obwohl das nach wie vor hauptsächlich durch andere Menschen geschieht.

      Auf jeden Fall vielen Dank für Deine Geschichte und Deine Offenheit, lieber Uli!

      Der Talk war echt intensiv, und an einer Stelle kamen mir die Tränen, weil ich mich daran erinnert habe, wie stark ich plötzlich Gottes Gnade empfunden habe, nachdem mir Gott neuen Glauben geschenkt hat!

      Besonders berührend und ehrlich fand ich, wie Du davon erzählt hast, dass eben nicht urplötzlich alles gut war, sondern Du noch mehrmals auf die Schnauze gefallen bist und auch immer wieder mal mit Dir selber (im kleineren Maßstab) kämpfst.

      Ich weiß zwar theoretisch sehr gut, dass die Verwandlung durch den Heiligen Geist ein lebenslanger Prozess ist (im liberalen Milieu ist das GANZ wichtig, dass man da nichts “Magisches” glaubt… 😉 ), aber irgendwie zweifele ich so oft an mir selber, weil ich nach wie vor die gleiche Scheiße baue… Nix mit Heiligung. (Selbstverständlich nicht mit Deinem Leben zu vergleichen!)

      Für mich wird immer wichtiger, mich in Krisen “auf Gott zu schmeißen”. Wie das konkret geht, kann ich nicht erklären. Bei mir hat es viel mit Gebet zu tun. (Für eine Liberale eine Wahnsinnsentdeckung! 😀 )
      Gebet als Bezehungsgeschehen, weniger als Wunscherfüllung, obwohl ich natürlich auch Gebetsanliegen habe.

      Ganz liebe Grüße
      Ina

  4. Liebe Ina,

    vielen Dank für Deinen Kommentar! Das ‘Himmlische’ und das ‘Irdische’ gehören wahrscheinlich ziemlich nah zusammen. Wie bei Jesus… 😉

    Am Montag dieser Woche an der Uni in der Vorlesung “Paulus – Leben und Schriften”. Professor Weiß sagt (ca. 80 junge Studierende im Saal…): “Wenn Sie den Heiligen Geist mal so richtig knallen hören wollen, gehen Sie zu Herrn Schulte in den Gottesdienst. Wenn Sie bibelwissenschaftlich Theologie betreiben wollen, kommen Sie zu mir!”

    Herr Weiß ist so genial – er trifft die Dinge manchmal auf den Kopf. Im Nachgespräch wurden wir uns einig: Wenn der “Knall des Geistes” mit “gesunder Theologie” zusammenkommt, kann eine lebendige, gesunde Kirche entstehen…

    Ähnlich kann ich das mit den Begriffen “konservativ” und “liberal” sehen.

    Wenn ich unter konservativ verstehe, an dem Guten und Heilsamen des Evangeliums festzuhalten, daran, dass Jesus ‘für mich’ gestorben ist und auch ‘auferweckt’ wurde, dass Gott durch die Bibel zu mir reden kann – sowohl über die großen Linien des Lebens als auch in meine ganz persönlichen Situationen hinein, dann bin ich gerne konservativ / bewahrend.

    Wenn ich unter liberal verstehe, dass ich mich nicht bevormunden lasse, dass ich selbständig denken und handeln kann und soll, dass ich frei und aufrecht stehen und gehen kann, dann bin ich gerne liberal.

    Eine Gemeinde oder Kirche, in der ich nicht fromm sein darf oder aber nicht frei im Denken, wäre nicht meine…

    Liebe Grüße,

    Uli

  5. Uli, du bist echt ein toller Typ! Total faszinierend, deine Geschichte, deine Entwicklung, deine lebensbejahende und anpackende Art. Allein schon, dass du jetzt noch wissbegierig studierst, ein Kolleg für junge Leute anbietest und schonungslos ehrlich über alle Probleme, persönliche Versuchungen und gemeindliche und soziale Missstände redest, sehr beeindruckend! Im Rückblick betrachtet echt voll der Segen, dass die Leute dich damals nicht aufgegeben und so geduldig aufgenommen hast.
    Als Emder hätte gerne noch mehr über deine Zeit in Ostfriesland, deinen Teekonsum und deinen Erfahrungen mit den Friesen gehört 😀 Hättest du nicht gesagt, dass du aus dem Sauerland kommst, hätte ich dich glatt als Norddeutscher eingeschätzt, so salopp, direkt, frisch und ungeschnörkelt du redest 🙂
    Danke Hossa, dass ihr uns auf diese tolle Persönlichkeit hingewiesen hast.

    1. Moin Sebi!

      “Bist Du bereit, nach Ostfriesland zu gehen?” fragte mich “Bruder Eisenlöffel”, der Leiter der Bibelschule “Beröa”… Ostfriesland – die Ostfriesenwitze wurden gerade “out”… “Wie dreht ein Ostfriese eine Glüchbirne in die Fassung?” “Einer hält die Glühbirne fest, und fünf drehen das Haus…” … und so…

      Ich lernte die Ostfriesen als total warmherzige, offene Menschen kennen, und ich fühle mich bis heute mit ihnen verbunden! Mein Einsatzort war die Stadt Leer und von dort aus die umliegenden Orte wie z.B. Veenhusen, Steenfelderfehn oder auch Jehringsfehn.

      Neben der Kirche und dem angrenzenden Seniorenheim in der Heisfelder Straße gab es eine “Pommesbude”, die ich als Westfale natürlich am ersten Abend aufsuchte. “Moin, Moin”, sagte der Besitzer, “was möchtest Du denn?” – Wo bin ich denn hier gelandet, dass man mir abends einen “Guten Morgen” wünscht?

      Die Freie Christengemeinde in Leer war quasi meine “erste, richtige Gemeinde”, die ich kennen lernte. Der Himmel auf Erden! Oder? Bei allem Schönen und Lieben, was ich dort erlebt habe, machte ich aber auch die wichtige Erfahrung: “Es wird überall nur mit Wasser gekocht!” Von Menschen mehr zu erwarten, als sie geben können, wurde mir schon dort gründlich ausgetrieben…

      Mit Herbert, dem Hausmeister des Seniorenheims, freundete ich mich schnell an. Er nahm mich mit zu seiner Familie in Veenhusen. Die Familiy wohnte in zwei direkt nebeneinander liegenden Häusern am Kanal – “Geschwister” E. hatten 16 eigene Kinder. Da war immer was los! Aber Mutter E. war die Ruhe selbst. Wenn ich zu Besuch kam, ließ sie erst mal alles stehen und liegen und fragte: “Moin Uli! Koppke Tee?” Wie es sich gehört: Kluntje, Tee, Wölkje – so lange, bis der Löffel in der Tasse bleibt…

      Bruder E. war Teehändler und fuhr täglich über Land, um seine selbstabgepacke Ware an den Mann zu bringen. Dabei “evangelisierte” er dann die Leute – ob sie es wollten oder nicht…

      Nach der Teestunde ging es “auf die Knie”, dann wurde gebetet, und meist “redete der Herr” durch Gesichte oder Weissagungen, die Geschwister E. hatten. Einige der positiven Aussagen aus diesen Gebetesstunden haben mich bis heute unterstützt und begleitet! Und – der Tee ist geblieben, ob er nun von Bünting, Thiele oder Onno ist…

      Alles in allem habe ich in Leer im Frühjahr / Sommer 1976 eine sehr schöne Zeit erlebt, und Ostfriesland und seine Menschen haben bis heute einen Platz in meinem Herzen!

      Alles Liebe und Gute wünsche ich Dir, Sebi!

      1. Hallo Uli,
        ganz herzlichen Dank für diese kostbaren, erfrischenden und persönlichen Einblicke!! Ich habe sie als (mittlerweile) Exil-Ostfriese mit großer Freude, einem gewärmten Herzen und einem Schmunzeln im Gesicht gelesen – ob Koppke Tee, die Gemeindebeschreibung, die ganzen Fehn-Orte, dass Menschen überall auch nur mit Wasser kochen usw. – alles gehört dazu und habe ich ganz ähnlich beim Aufwachsen erlebt. du bist ein toller Geschichtenerzähler mit viel Erfahrung. Dir ebenso alles allens Leve un Gode 🙂

  6. Guter Talk!

    Bin seit einigen Monaten auch Hossa Talk Hörer und sehr begeistert.
    Versuche grad alle Folgen nachzuholen. 😀
    Bin auch aus Bremen. Gab es Mal nen Live Talk in Bremen oder ist einer in Planung?

    Gruß
    Iggi

    1. Hallo Iggi,
      wir waren mal zu einem Live Talk in Worpswede. Aber der wurde leider nicht aufgezeichnet. Zurzeit haben wir aus Bremen aber keine Anfrage. Ist sehr wahrscheinlich, dass wir nächstes Jahr nach Hamburg kommen.
      LG,
      der Jay

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